Theinerts Thema: Coaching in der Musik

  • 31.01.2018
  • Schwerpunktthema
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 2/2018
  • Seite 31-33

Der Begriff »Coaching« ist zwar nicht wirklich neu – neu verwendet wird er schon. »Mit diesem Begriff geht es um einen wichtigen Aspekt. Es ist eben doch ein bisschen mehr als einfach nur Unterricht oder Training. Coaching beschäftigt sich mit den Personen selbst und ihrer eigenen Herangehensweise an die Dinge«, weiß Markus Theinert.

Herr Theinert, ist »Coaching« eigentlich neu? Wann haben Sie erstmals von diesem Begriff gehört?

Coaching ist eines dieser neudeutschen Wörter, die von den Unternehmensberatungen in unseren Sprachgebrauch eingeführt wurden. Ich kann nicht genau sagen, wann ich zum ersten Mal mit diesem Begriff in Kontakt gekommen bin.

Denn im englischsprachigen Raum ist es natürlich ein ganz normales Wort. Wörtlich übersetzt heißt es doch nichts anderes als »Training­« – ob dieses nun im Büro, auf dem Fußballplatz oder in der Musikprobe stattfindet, ist zunächst nicht weiter von Belang.

Wie bei vielen Konzepten der Unternehmensberater wird das Englische gerne hergenommen, um dem Ganzen einen anderen »Touch« zu geben. Dadurch ist »Coaching« als Terminologie auch in der deutschen Sprache populär geworden. Mit dem neuen Begriff geht es beim Coaching allerdings auch um einen wichtigen Aspekt. Es ist eben doch ein bisschen mehr als einfach nur Unterricht oder Training.

Coaching beschäftigt sich mit den Personen selbst und ihrer eigenen Herangehensweise an die Dinge. Coaching versucht, auf die Perspektive des Lernenden von außen einzuwirken anstatt einfach nur bestimmte Methoden zu unterrichten, wie es traditionell der Fall war.

Der Begriff Coaching wird laut Lexikon als Sammelbegriff für unterschiedliche Beratungsmethoden – Einzelcoaching, Teamcoaching, Projektcoaching – verwendet. Ist ein Coaching aus dem Unternehmensbereich auf die Musik anwendbar? Wo liegen die Unterschiede?

Der Hauptunterschied liegt darin, dass in der Musik das Erleben im Vordergrund steht und nicht so sehr das Resultat. Der Einzelne nimmt beim Musizieren den Klang im Innersten wahr. Es wäre in der Musik also gar nicht denkbar, eine andere Beratungsmethode anzuwenden als das Coaching.

Denn wir können ja nicht einfach sagen: Spiel diese Passage ein bisschen schneller, bring den Ton ein bisschen höher, kürze diese Artikulation ein bisschen ab – wenngleich wir solche Unterrichtsmethoden auch heute noch vorfinden. Aber das hilft dem Einzelnen überhaupt nicht weiter, weil er es selbst nicht so empfindet.

Ich muss versuchen, auf die Wahrnehmung des ausübenden Musikers Einfluss zu nehmen, ihm zeigen, was er im momentanen Geschehen hören kann. Als Begleitender zu unterrichten ist in der Musik in jedem Falle vorrangig und auch als einzige Methode in der Lage, den Musizierenden wirklich weiterzubringen. Denn das ist doch das Ziel des Coachings: dass wir weiterkommen und nicht steckenbleiben in falschen Gewohnheiten, sondern beständig unseren Horizont erweitern.

Es geht also nicht darum, dem Musiker Lösungen vorzugeben, sondern ihn in der Erarbeitung von Lösungen zu unterstützen.

Letztendlich ist es ja der Weg des Lernenden. Es ist seine persönliche, einmalige Annäherung, die zwar von außen her begleitet werden kann, aber wir können diesen Weg weder für den Einzelnen gehen noch können wir ihn einfach nur vorgeben, sondern wir müssen uns selbst mit dem ganzen Menschen beschäftigen.

Das PDF enthält alle fünf Artikel des Schwerpunktthemas "Neuland Coaching? Neue Methoden für alte Inhalte?":  

« zurück