Theinerts Thema: Bühnenpräsenz

Markus Theinert. Foto: Mannheimer Bläserphilharmonie

Der Dirigent ist da und es geht los – so einfach ist es leider nicht mit der Bühnenpräsenz. Präsent wird ein Dirigent auf der Bühne nicht durch seine bloße Anwesenheit, sondern durch seine fachliche Autorität und seine Persönlichkeit.

Markus Theinert spricht im Interview über den Show-Aspekt und darüber, warum es Frauen beim Thema Bühnenpräsenz schwerer haben als Männer, obwohl es nichts mit ihrem Geschlecht zu tun hat.

Wie wichtig ist das Thema »Bühnenpräsenz « für Dirigenten überhaupt? Ist man nicht automatisch präsent, sobald man auf der Bühne steht?

Erstaunlicherweise gibt es ja doch Riesenunterschiede, wenn man darauf achtet, wie Dirigenten auf die Bühne kommen, wie sie sich dort präsentieren – in diesem Wort ist der Begriff ja bereits enthalten. Diese Präsenz bezieht sich allerdings nicht nur auf die Anwesenheit und die exponierte Position des Dirigenten.

Vielmehr hat sie doch sehr mit der Persönlichkeit des Einzelnen zu tun und ist vielleicht auch integraler Bestandteil des Charakters: Die einen sind mehr für Publikum und Orchester »anwesend« im echten Sinne, und bei den anderen kommt das nicht sofort rüber. Die Persönlichkeit des Einzelnen ist natürlich sehr verschieden.

Und davon hängt es ab, wie überzeugend oder wie selbstbewusst jemand auf der Bühne agiert. Auf der anderen Seite ist allerdings auch wichtig, was nicht unbedingt mit dem Wesen des Einzelnen zu tun hat, und das ist der Stand der Vorbereitung auf einen Auftritt – eine Form von Selbstsicherheit, die nicht so sehr aus der Persönlichkeit heraus entsteht.

Wie komfortabel fühlt man sich mit dem Stand der Probenarbeit? Ist Nervosität vorhanden oder eher gespannte Gelassenheit? Dieser Aspekt hat einen sehr großen Einfluss auf die wahrgenommene Bühnenpräsenz. Denn wenn ich mich nicht souverän fühle, wenn ich Sorgen habe, dass die Aufführung danebengehen könnte, wird sich das sicherlich auch für Außenstehende und für die Mitglieder des Orchesters bemerkbar machen.

Besitzt der Dirigent Selbstbewusstsein und das positive Gefühl, dass man gute Arbeit geleistet hat und bereit für das Konzert ist, unterstützt das natürlich die aktive Bühnenpräsenz.

Wenn ein guter Teil der Bühnenpräsenz in der Persönlichkeit des Dirigenten liegt, kann man dann überhaupt an seiner Bühnenpräsenz arbeiten?

Das glaube ich eher weniger. Hier steht es ähnlich wie bei Begabung und Talent, die sich nicht beliebig weit entwickeln lassen, weil sie mit zur inneren Persönlichkeit des Menschen gehören.

Aber an dem zweiten Aspekt kann man natürlich arbeiten, indem man sicherstellt, in der Vorbereitungsphase genügend Zeit zu haben und sich mit den Partituren so vertraut zu machen, dass für Nervosität kein Platz ist.

  • 21.06.2019
  • Schwerpunktthema
  • Martin Hommer
  • Ausgabe: 5/2019
  • Seite 26-29

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