»The Land of Zarathustra« von Amir Molookpour

Betrachtet man die Herkunft der bisherigen WMC-Pflichtstücke, so gab es auf der Landkarte lange Zeit »weiße Flecken«. Nach dem ersten Stück aus einem deutschen Verlag (1997 »Sinfonia brevis« von Zdeněk Lukáš, erschienen bei Rundel) und dem ersten Werk eines deutschen Komponisten (2001 »Am Ende der Zeit – Eine Vorahnung« von Rolf Rudin) wurde nun mit »The Land of Zarathustra« von Amir Molookpour erstmals ein Werk eines gebürtigen Iraners ausgewählt.

Der iranische Komponist Amir Molookpour

Der 1978 in Teheran geborene Musiker hatte sich seit seinem neunten Lebensjahr zunächst mit traditioneller persischer Musik beschäftigt, hatte jedoch als Jugendlicher bald die »westliche« klassische Musik für sich entdeckt. »Beethoven und seine ›Egmont‹-Ouvertüre war für mich wie die Entdeckung einer neuen Welt«, erzählt er in nahezu fehlerfreiem Deutsch.

Nach und nach habe er sich Literatur über Harmonielehre und Instrumentation sowie etliche Partituren beschaffen können, um sein Wissen über klassische und romantische Komponisten zu erweitern. 1994 begann er ein Studium bei Hassan Riahi, dem Komponisten der iranischen Nationalhymne, und schon ein Jahr später arbeitete er regelmäßig als Arrangeur und Komponist für das Sinfonieorchester des iranischen Rundfunks.

Kurz nach der Jahrtausendwende ging Molookpour nach Italien, um in Cremona Musikwissenschaft zu studieren. In diesem Zusammenhang beschäftigte er sich auch mit der Rolle und der Funktion der Musik in der Rolle des iranischen Zoroastrismus – was dann auch Thema seiner Abschluss­arbeit war.

Hermann Hesse und Persien

Zu den wichtigsten Werken, die während dieser Zeit entstanden, gehören »Drei Lieder nach Gedichten von Hermann Hesse«. Vertont hat er »Im Nebel« (»Mein Lieblingsgedicht von Hesse«), »Auf Wanderung« und »Bruder Tod«. Er gesteht: »Hermann Hesse ist immer irgendwie in meiner Musik präsent.«

Durch Giordano Calvi, damaliger Dirigent des Compleso Bandistico di Cremona, ist Molookpour mit dem sinfonischen Blasorchester in Kontakt gekommen. »Dank seiner Hilfe habe ich immer mehr von dieser fantastischen Welt kennengelernt.« Calvi brachte den Komponisten auch mit dem Verlag HaFaBra-Musik in Verbindung, wo neben »The Land of Zarathustra« inzwischen auch mehrere »Persian Dances« von Molookpour veröffentlicht wurden.

»The Land of Zarathustra«

Als Vorbereitung für eine Einstudierung von »The Land of Zarathustra« ist es sicherlich nicht nötig, das berühmte Buch des Philosophen Friedrich Nietzsche »Also sprach Zarathustra« zu lesen. Auch mit der Vertonung dieses Buches durch Richard Strauss hat Molookpours Stück nichts gemein.

Empfehlenswert ist es jedoch, nach der zugrundeliegenden Religion »Zoroastrismus« zu googeln, da man dort auch auf einige Begriffe stößt, die in den Titeln der drei Sätze dieser Suite vorkommen.

Das PDF enthält alle sechs Artikel des Schwerpunktthemas "Integration - Was kann Musik leisten?":

  • 21.12.2016
  • Schwerpunktthema
  • Joachim Buch
  • Ausgabe: 1/2017
  • Seite 38-39

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