The Heimatdamisch: Florian Rein über ein ursprüngliches Spaßprojekt

  • 10.07.2018
  • Szene
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 6/2018
  • Seite 39-41

»The Heimatdamisch« – vor einigen Jahren sozusagen aus einer Bierlaune heraus geboren – erobern die Welt. Kaum ein Festival oder Bierzelt ist vor ihnen sicher. Demnächst etwa das »Woodstock der Blasmusik« oder die »World Blasmusik Days«. Und dann gibt’s auch noch ein neues Album. Wir haben den Mastermind, den Schlagzeuger Florian Rein, in seinem BergBeat-Studio in Bad Tölz besucht.

Songauswahl und Zielstilistik

Florian Rein steckt mitten in der Arbeit der neuen Platte von »The Heimatdamisch«. Auf dem Notenpult liegt ein Auszug von Britney Spears’ »Hit me Baby one more time« – schon ein gewisser Klassiker der jüngeren Pop-Geschichte. Kann also gut sein, dass dieser Titel demnächst im heimatdamischen Stil zu hören sein wird. »Ich sitze gerade an der Songauswahl«, erzählt Florian Rein. Seit dem vergangenen Album »Highway To Oberkrain« habe sich ja einiges im Repertoire getan. Von Bruno Mars ist die Rede, von Metallica und von Guns N’ Roses.

Aber ist »The Heimatdamisch« nun eher eine Live- oder eine Studioband? »Ich bin überrascht, dass das ›live‹ so gut funktioniert«, gibt Rein zu. »Und zwar egal, wo wir spielen! Rockfestival, Bierzelt oder Party… Aber ich arbeite auch gerne hier im Studio an Details und kann die Dinge ganz sauber einspielen und mischen. Ich freue mich darauf, die Songs, die wir schon seit über einem Jahr live spielen, im Studio aufzunehmen.«

Die »Zielstilistik« indes ist wieder klar. »Ich bin ein großer Fan des Oberkrainer-Sounds, dieses unglaublich treibenden Grooves, der von der speziellen Akkordeon-Begleitung ausgeht sowie den entsprechenden Bläsern dazu.« Und auch wenn der Begriff Heimat »in den letzten Jahren sehr inflationär verwendet worden ist und etwas abgegriffen ist«, findet Florian Rein, »hat die Musik einen gewissen Heimatbezug. Wir transferieren Rock- und Pop-Hits ins Bayerische, in die Heimat. Wir ziehen amerikanischen Rock-Songs die Lederhosen an.«

Ein Spaßprojekt

Dass es überhaupt so weit kommen konnte, hatte niemand so wirklich geplant. »›The Heimatdamisch‹ war zu Beginn eigentlich ein Spaßprojekt – so nebenbei!« Der Schlagzeuger scheint selbst immer noch überrascht ob des Nervs, den er mit dem Projekt getroffen hat. Ausgangspunkt waren die »Heimatdamisch«-Erzählungen von Hans Kiening, der mit der fiktiven Figur Johann Knöbel seine eigenen Jugenderinnerungen in Bad Tölz und im Isarwinkel Revue passieren lässt. Als hierzu ein Hörbuch geplant war, engagierte man Florian Rein für die Musik.

Der Soundtrack bestand dann eben aus der Musik der 80er Jahre – in heimatlichem Jargon. »Im Buch wurde etwa ›Don’t pay the Ferryman‹ von Chris de Burgh zitiert. Dann mussten wir den eben auch in ein Bläsergewand stecken.« Der Stein war ins Rollen gebracht. Als man dann irgendwann einen Namen für die Band brauchte, verlieh man der Combo eben internationales Flair, in dem man schlicht ein »the« vor das Heimatdamisch setzte. Florian Rein lacht, als er von damals erzählt.

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