Tanzlieder und Volksmusik - Stiltypisch für Klezmer ist der freie Ausdruck der Solisten

  • 21.09.2011
  • Praxis
  • Vahid Matejko
  • Ausgabe: 2/2011
  • Seite 14-15

Nachdem wir uns in den vergangenen Workshops mit Balkan-Einflüssen von bulgarischer und rumänischer Musik beschäftigt haben, ist es jetzt sehr passend, eine weitere osteuropäische Musikrichtung vorzustellen. Die Klezmermusik weist doch sehr viele Parallelen zur Balkanmusik auf, und dennoch erkennt man sofort, dass sie etwas Eigenständiges ist. In diesem Workshop wird es darum gehen, die häufig in der Klezmermusik vorkommende »Freygische Skala« kennenzulernen und Möglichkeiten von Akkordverbindungen, die in ihrer Verwendung typisch sind, sowie auch modale Jazzvoicings, über die man improvisieren kann, zu verwenden.Ein wenig zur Geschichte. Der Begriff Klezmer setzt sich zusammen aus den beiden aramäischen Stammsilben Kli und Zemmer, was ins Deutsche übersetzt soviel wie »Gefäß des Liedes« bedeutet. Die Klezmermusik ist eine aus dem Judentum stammende Volksmusiktradition. Das Repertoire besteht unter anderem aus Tanzliedern für Hochzeiten und anderen Familien-Feierlichkeiten. Ein Großteil der Lieder wird in Jiddisch gesungen, da viele von ihnen aus Osteuropa stammen.

Etwa um das 15. Jahrhundert entwickelten Klezmerim oder Klezmorim genannte Musiker eine jüdische weltliche Instrumentalmusik, aufgebaut auf der liturgischen Vokalmusik der Synagoge, insbesondere auf die Kantorengesänge. Aufgrund ihres durch Wandern und Reisen geprägten Lebensstils wurden neben Spielmannsleuten auch die Klejzmorim von den Rabbinern verachtet. Da sie einen vergleichbaren gesellschaftlichen Rang einnahmen, reisten und musizierten sie sehr viel mit den Romamusikern. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass Klezmer und Romamusik viele Ähnlichkeiten aufweisen, übten sie doch einen großen gegenseitigen musikalischen Einfluss aufeinander aus. Ihr vielseitiges Repertoire wurde sehr geschätzt, und die besten Klezmorim wurden auch oft vom örtlichen Adel engagiert. Behörden wiederum schikanierten sie häufig wie auch andere reisende Musiker; zum Beispiel in der Ukraine durften sie bis ins 19. Jahrhundert keine laut tönenden Instrumente spielen. So griffen viele Musiker zur Violine oder Tsimble (Hackbrett) oder anderen Saiteninstrumenten. Bald ersetzte die Klarinette die Violine als bevorzugtes Instrument. Als die Klezmorim auch zum Militär eingezogen wurden, entwickelte sich darüber hinaus eine Art Blas- und Percussionmusik. Mit dem Verlassen Osteuropas verbreiteten die Juden die Klezmerkultur weltweit, vor allem in den USA. Viele reiche Juden wollten von Klezmer zunächst nichts wissen, da es für sie eher eine Musik der armen Juden war. Mittlerweile ist die Klezmermusik international bekannt und geschätzt.

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