Superstar der Posaune - Die Bigband-Ikone Tommy Dorsey

Mit »I’m Getting Sentimental Over You«, »Marie« und »I’ll Never Smile Again« hatte das Tommy-Dorsey-Orchester drei echte Mega-Hits. Im Mittelpunkt des Erfolgs stand das Spiel des Bandleaders, der die Posaune sanft wie niemand sonst blasen konnte. »Es wird keinen ­Posaunisten mehr geben wie Tommy«, sagte Paul Whiteman, der ehemalige »King of Jazz«. 

Was macht einen guten Bandleader aus? Nicht zuletzt Fleiß, Organisationstalent und die Fähigkeit, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Für den Sänger Dick Haymes war Tommy Dorsey schlicht »der beste Bandleader der Welt«: eine Unternehmer-Natur, ein perfektionistisches Arbeits­tier, ein berstendes Energiebündel – selbstbewusst, durchsetzungswillig, streng. Und nicht immer höflich: Seine Musi­ker rief er mit Vorliebe »Shithead«. Natürlich legte »T.D.« bei seinen Angestellten höchsten Wert auf Qualität und Diszi­plin, bestrafte Unpünktlichkeit und erwartete korrekte Bühnenkleidung. Wenn zwei Musiker einander fast tot prügelten, galt seine größte Sorge der Garderobe: »Zieht sofort die Band-Jacketts aus! Wir haben noch einen zweiten Set zu spielen!« Leicht konnte Tommy Dorsey in Rage geraten, man schob es auf sein »irisches Temperament«. Er wurde dann zuweilen handgreiflich oder feuerte Musiker auf der Stelle. Ebenso schnell engagierte er sie aber auch: Die Bands der Konkurrenten zu plündern, war ihm ein Hobby. »Ich zahle dir mehr«, so lautete sein stärkstes Argument, wenn er einen Musiker abwerben wollte. Rund 250 Akteure durchliefen zwischen 1935 und 1946 seine Bigband, die Fluktuation bei »T.D.« war sprichwörtlich. Feinde machte er sich genug.

  • 19.04.2012
  • Szene
  • Hans-Jürgen Schaal
  • Ausgabe: 5/2012
  • Seite 42-43

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