Substitut-Kompositionen 10 - "Durch Nacht zum Licht" - Die Dritte Sinfonie von James Barnes

Strenggenommen weicht der Gegenstand des vorliegenden Artikels von der Thematik der Reihe etwas ab. Bisher war meist die Tonsprache einer bestimmten Epoche oder ein spezifisches musikalisches Idiom und deren Reflexion im Blasorchesterrepertoire Grundlage unserer Diskussionen. Heute sollen hingegen vorwiegend formale Überlegungen im Zentrum stehen.

James Barnes beendete die Komposition seiner »Dritten« im Juni 1994. Nach eigenen Angaben hält er diese Sinfonie für das »emotional am meisten zehrende Werk«, das er jemals geschrieben habe. Grund dafür sind die besonderen persönlichen Umstände, mit denen er sich während der Arbeit an der Sinfonie auseinanderzusetzen hatte. Kurz nach der Auftragserteilung durch die US Air Force Band starb Barnes’ Tochter Natalie, während drei Tage nach Fertigstellung der Komposition sein Sohn Billy geboren wurde. Die seelische Belastung und das Wechselbad der Gefühle, die die Aufeinanderfolge von dramatischem Schicksalsschlag zu freudigem Ereignis innerhalb eines vergleichsweise kurzen Zeitraums mit sich bringt, fand in der Arbeit an seiner Dritten Sinfonie ein Ventil und legte schließlich den Grundstein für die formale Gestaltung des Komposition, die nach ­Barnes’ eigenen Worten »aus der tiefsten Dunkelheit der Verzweiflung zu glanzvoller Erfüllung und strahlender Freude« fortschreitet.

  • 23.10.2013
  • Praxis
  • Jörg Murschinski
  • Ausgabe: 11/2013
  • Seite 18-20

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