Komponist Stephen Melillo und das Musikkorps der Bundeswehr

Fotos: Film AB Köln / Andreas Bachmann

Die Musikerinnen und Musiker des Musikkorps der Bundeswehr sind Profis. Und sie gehören wohl zu den besten Profis, die die Bundeswehr in ihren Reihen hat. Die beeindruckt so schnell nichts. Könnte man meinen. Bis dann Stephen Melillo vor ihnen steht. Der US-Amerikaner war extra nach Siegburg gereist, um dort mit Oberstleutnant Scheibling und seinen Musikern das Kapitel 55 seiner Stormworks einzuspielen, »Way of the Wanderer«.

Akribie und Empathie

Stephen Melillo vereint auf erstaunliche Weise zwei Charaktereigenschaften. Er ist pedantisch, detailversessen und er fordert vollen Einsatz. Weil er aber in musikalischen Dingen offenbar nur diesen kennt und vorlebt, nervt diese Akribie niemanden. Mit seinem vereinnahmenden Wesen gibt er allen Beteiligten das Gefühl, Teil von etwas sehr, sehr Großem zu sein. 

Wenn die Musiker von der gespielten und aufgenommenen Musik schwärmen, meinen sie zu 50 Prozent auch den Menschen, aus dessen Feder diese musikalischen Ideen stammen. Wer schon mal mit Stephen Melillo musiziert – oder nur gesprochen – hat, fühlt sich verstanden, ernstgenommen. Und das ist kein Kalkül. Der 61-Jährige interessiert sich tatsächlich für sein Gegenüber. 

Aufnahme unter erschwerten Bedingungen

Es ist – das wurde in den vergangenen Monaten immer wieder festgestellt – viel zu warm für die Jahreszeit. Klar, es kann auch im Oktober und vor allem in der Kölner Bucht, in deren Ausläufern Siegburg liegt, auch milde Herbsttage geben. Dass das Thermometer aber nahezu ständig die 25-Grad-Marke kratzt, ist ungewöhnlich. Und für eine ambitonierte Aufnahmesession wie diese nicht zwingend ideal. 

Das kann man sich ja vorstellen: Ein ziemlich gut (schall)isolierter Raum, eine aus nachvollziehbaren Gründen nicht vorhandene laute Klimaanlage und ein ausgewachsenes sinfonisches Blasorchester, deren Musiker sich gegenseitig die frische Luft wegatmen. 

Und das bei einem Programm, das Gänsehaut zu erzeugen vermag, die aber wiederum nicht von Kälte hervorgerufen wird. Denn es ist warm im Saal der Siegburger Brückberg-Kaserne. In den Pausen werden sofort die Türen aufgerissen und die Musiker eilen luftschnappend dem Ausgang entgegen. 

Doch noch einmal zur Erinnerung: Stephen Melillo kann nur Vollgas. Pausen sind da nur spärlich eingeplant. Das wiederum hat auch organisatorische Gründe. Fünf volle Tage sind für die Aufnahme des »Stormworks Chapter 55, Way of the Wanderer« eingeplant (Zur Erklärung: Melillos »Stormworks« sind in Kapiteln organisiert, jedes Kapitel besteht aus mehreren Werken.). Und natürlich sollte »das Ding« im Kasten sein, bevor Melillo wieder über den Großen Teich heimwärts fliegt. 

Am Ende aber konnte Aufnahmeleiter Roland Stuppin Vollzug melden: »Alle Werke konnten innerhalb der geplanten Zeit eingespielt werden!« Erleichterung war zu spüren, denn »die Aufnahmen mit Stephen L. Melillo und Don Jemella fingen mit einem Totalausfall meiner Mikrofontechnik an, konnten aber dank D.A.S. aus Hamburg durch Ersatzgeräte gerettet werden.« 

  • 05.02.2019
  • Szene
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 2/2019
  • Seite 38-40

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