Startpaket für Schüler - Arnold&Sons-Trompete ATR 4200G

  • 21.01.2013
  • Test
  • Ausgabe: 2/2013
  • Seite 50-52

Hinter der Instrumentenreihe »TERRA« der Firma Arnold & Sons steht Das Konzept, professionelle Eigenschaften in Instrumente zu implizieren, die ausgesprochen wirtschaftlich hergestellt werden. Damit möchte Terra ein neues Segment beackern. In der Tat ist das vorliegende Testinstrument recht preiswert – aber ist es auch »sein Geld wert«? Wir haben die ATR 4200G doppelt und dreifach unter die Lupe genommen.

Einfach nur günstige Instrumente herzustellen, funktioniert heutzutage nicht mehr. Selbst der Kunde mit dem eher »kleinen Geldbeutel« achtet da auf die Qualität. Und die Firma Arnold & Sons stellt bei ihren Terra-Instrumenten »erstklassige Verarbeitung, genaue Intonation, Dynamik, einen zen­trierten Klang und eine mühelose Ansprache in allen Registern« in den Vordergrund. Also Attribute, die wohl auch fast jeder Musiker von seinem In­strument erwartet. Und eins vorweg: Die ATR 4200G mag preiswert sein – billig ist sie deshalb nicht. 

Um einen »handwerklichen« Test baten wir diesmal Holger Henke, Meister im Metallblasinstrumentenmacherhandwerk im Bläserstudio Koblenz: »Zum Test steht in unserer Meisterwerkstatt in Koblenz eine Terra-Trompete Modell ATR 4200G, Seriennummer 100022. Das Instrument kommt in einem Vierfarb-Display-Karton. Darin befindet sich ein robustes Etui in blauer Textiloptik. Das Etui hat eine gepolsterte Rucksackgarnitur hinter einem Klettverschluss. Das Etui ist außerdem mit ­einem aufgesetzten Zubehörfach (etwa für Noten in DIN A4) versehen. Beim ersten Öffnen erblickt man das Instrument, ein Pflegetuch, Öl und ein versilbertes Mundstück aS 7C. 

Widmen wir uns dem Instrument: Es handelt sich um eine klarlackierte Variante. Der erste Griff geht natürlich zur ­Maschine. Der Ventillauf ist sehr ruhig und mit einem relativ leichten Federdruck. Beim Test auf ›schiefes Drücken‹ bleibt keines der Ventile haken. Die Ventildeckelgewinde sind leichtgängig und gut gearbeitet. Die Ventilführungen und Federn wirken einfach, aber robust. Aluminiumstößel und Filze sind für die Preisklasse absolut in Ordnung. Die Ventile sind in Stahlausführung mit Messingdurchgängen und sind gut verarbeitet. Die Außenzüge sind in Neusilber, die Innenzüge aus Messing gefertigt, diese Kombination verspricht eine hohe Haltbarkeit. Alle Ventilbogen bis auf den Hauptstimmzug sind aus Messing gefertigt. Der Hauptstimmbogen ist in klassischer Korbbogenform aus Goldmessing gefertigt, ebenso das Mundrohr. Dies bürgt für eine höhere Korrosionsbeständigkeit. 

Die Wasserklappenfedern sind robust aus Stahl gewickelt. Die Dichtung der Wasserklappen sind aus schwarzem Gummi. Der 3. Zug hat eine Stoppschraube, die allerdings nicht ummantelt ist, daher ergibt sich ein metallisches Anschlaggeräusch. Jedoch besitzen beide Triggerzüge O-Ringe zum vorderen Anschlag, das ist vorbildlich im Vergleich zu vielen anderen Herstellern. Der 3. Zug hat zudem einen verstellbaren Fingerring mit Notenhalterkästchen. Alle Züge lassen sich tadellos bedienen und ­stehen parallel. 

Der Bau der Trompete entspricht in Ästhetik und Ausführung einem soliden Standard, lediglich die Mundstückaufnahme ist minimal nach oben zur Flucht angelötet. Alle Lötstellen sind sehr sauber gearbeitet.«

Zum Spiel

Daniel Ackermann, freischaffender Trompeter aus Koblenz, konnte für einen aus­giebigen Test der Trompete gewonnen werden. Zunächst merkt er an, dass der Hersteller wohl aus einer allgemeinen Gewohnheit ein 7C-Mundstück dem Instrument beifügt. Die aS-Mundstücke genießen zwar allgemein einen guten Ruf, ­jedoch ist seiner Auffassung nach die Ausführung als 3C für die meisten Anfänger zu bevorzugen. Denn dieses Mundstück vermittelt ein angenehmeres Spielgefühl und lässt mehr Raum für die Lippen. 

Die ersten Töne erklingen, und für die Preisklasse erleben wir einen durchaus ­passablen, kernigen Gesamtklang – nicht näselnd eng und trotzdem mit einer gut ausgebildeten Obertonschwingung. Die Ansprache ist subjektiv gut und die Töne rasten ordentlich in der mittleren und tiefen Lage. 

Nun nimmt der Tester ein Stimmgerät zu Hilfe, um exakt die Intonation zu bewerten. Hierfür bläst er zunächst die Naturtöne möglichst ins Zentrum, das heißt in den Intonations­bereich mit geringstem Wiederstand des Instruments und möglichst hohem Luftfluss: Die Intonation ist sauber. Daniel Ackermann wiederholt den Vorgang mit allen Ventilkombinationen, und mit den trompetentypischen Abweichungen kommt er zum gleichen Ergebnis. Das Handling des Triggerzuges hebt er lobend hervor: »Für kleine Hände ist ein verstell­barer Ring am 3. Zug natürlich eine große Hilfe.« 

Neben der mittleren Lage testet der Profi natürlich auch die extreme. Auch hierbei geht die Trompete weitestgehend mit, auch wenn sie in der Lage oberhalb des C³ und bei extremer Lautstärke klanglich etwas aus der Bahn gerät. »Für mich sind außer­dem die Ventile zu leichtgängig, hier wünsche ich mir mehr definierten Druckpunkt für ein präziseres Spiel in den Läufen. Der Klang ist der Preisklasse angemessen, Handling und Intonation sind gut. Alles in allem ist die ATR 4200G für mich ein ordentliches Startpaket«, so der Profi Daniel Ackermann.

Sozusagen »aus Versehen« bekam das Test­instrument noch ein weiterer Tester in die Finger: der Trompeter und Orchestermusiker Andreas Michel. Und während es bei Ärzten oft heißt: zwei Ärzte, zwei Dia­gnosen, sind sich die Musiker einig. Ohne sich abgesprochen zu haben. Auch Andreas Michel lobt das Instrument. Er merkt unter anderem die klare, freie Tonqualität in der 2. und 3. Oktave an. Das ausgewogene In­strument spricht in allen Registern leicht an und die Intonation und der Klang sind durchgängig gut. Er findet allenfalls »leichte Einbußen im Klangspektrum der Mittellage. Doch durch den höheren Luftwiderstand besteht für Anfänger eine gute Spielbarkeit.« Die Maschine funktioniert flink und reibungsfrei. Das nicht übermäßige Gewicht erlaube ein gutes Handling für Kinder. »Die ATR 4200G ist eine Anfängertrompete, die dem Bläser entgegenkommt und ihn unterstützt. Sie ist eine überdurchschnittlich gute und brauchbare Schülertrompete.«

Die Tester

Holger Henke ist Metallblasinstrumentenmachermeister. Er legte seine Gesellenprüfung mit »sehr gut« ab und erreichte neben dem Titel »Hessischer Landessieger« auch den 3. Bundessieger im praktischen Wettbewerb der Handwerksjugend. 1999 absolvierte er seine Meisterprüfung, wiederum als Jahrgangsbester. Henke arbeitete unter anderem bei der Muziekcentrale Adams in den Niederlanden und der Firma Markus Leuchter Metallblasinstrumentenbau in Herzogenrath. Seit 2009 gehört er zum Team des Bläserstudios Koblenz und widmet sich der Betreuung der Blechbläser. 

www.blaeserstudio.de

Daniel Ackermann begann seine Laufbahn mit neun Jahren. Später studierte er in Mainz, Köln und Luxemburg, unter anderem bei Malte Burba, Friedemann Immer und Matthias Höfs. Er sammelte solistische Erfahrungen und wurde Mitglied des Landes-Jugend-Ensembles für Neue Musik Rheinland-Pfalz. Seit 2000 ist Ackermann in verschiedenen Orchestern tätig und beschäftigt sich da­rüber hinaus intensiv mit Neuer Musik sowie Swing, Jazz und Soul.

www.daniel-ackermann.de

Andreas Michel startete ebenfalls mit neun Jahren mit der Trompete. Er studierte an der Musikhochschule Heidelberg-Mannheim bei Prof. Reinhold Lösch und erhielt einen Abschluss als Di­plom-Orchestermusiker. Er ging viel­fältige Konzertverpflichtungen in Sinfonieorchestern und Brass-Besetzungen sowie als Solist, Rundfunk- und Fernsehaufnahmen ein. Im Jahr 2005 gründete er die Primtal-Musikschule und ist darüber hinaus Gastdozent an verschiedenen Instituten.

www.andreas-michel-musiker.de

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