Spitzenleistungen: Deutscher Orchesterwettbewerb in Ulm

  • 28.05.2016
  • Szene
  • Joachim Buch
  • Ausgabe: 6/2016
  • Seite 54-55

»GemEINSAME Spitze« lautete das Motto, das der Deutsche Musikrat als Organisator des Deutschen Orchesterwettbewerbs für die 9. Auflage dieser Veranstaltung in Ulm ausgegeben hatte. Auf die gezeigten musikalischen Leistungen traf dies auch für die allermeisten Teilnehmer zu – auf jeden Fall bei den (Jugend-)Blasorchestern.

Größter Unterschied zu früheren DOW-Veranstaltungen: Konnte man bisher die Auftritte der Blasorchester und Jugendblasorchester nacheinander in derselben Halle verfolgen, so ließ man die Teilnehmer heuer gleichzeitig an zwei verschiedenen Orten aufspielen: Congress Centrum Ulm (CCU; Auftrittsort der Jugendblasorchester) und das Edwin-Scharff-Haus in Neu-Ulm (Halle für die Blasorchester) waren Luftlinie etwa 1500 Meter voneinander entfernt. Jeder Zuhörer musste sich somit seinen individuellen Plan zusammenstellen und hatte keine Garantie, die Darbietungen von beiden erstplatzierten Orchestern zu hören.

Viele Besucher haben dann ihr individuelles Programm wohl nach »Papierform« oder Renommee der Orchester zusammengestellt, was nicht selten zu Lasten der Wettbewerbsneulinge oder von Orchestern aus der sogenannten »Blasmusik-Diaspora« ging.

In einer Blasmusik-Hochburg wie der Region Ulm hatte die Junge Bläserphilharmonie dieser Stadt keine Probleme, die Zuschauer anzulocken. Zur Eröffnung des Jugendblasorchester-Wettbewerbs im großen Saal des CCU blieben nur wenige Stühle leer. Dirigent Josef Christ und seine Truppe konnten denn auch Publikum und Jury vollauf begeistern und mussten sich mit 23,0 (von 25) Punkten am Ende nur noch dem Titelverteidiger aus Havixbeck geschlagen geben.

Neben dem Pflichtstück »Deliverance« vom Etienne Crausaz hinterließ man vor allem mit Satoshi Yagisawas »Hymn to the Sun« einen glänzenden Eindruck. Das Jugendblasorchester Marktoberdorf und Dirigent Thomas Wieser hatten in der letzten Woche vor dem Wettbewerb noch einmal an Details gefeilt. Besonders das Selbstwahlstück »Whatsoever things« von Mark Camphouse geriet überzeugend. »Mir lief ein Schauer über den Rücken«, so ein Musiker aus dem Orchester. Die Titelverteidiger aus Havixbeck hatten außer dem Klassiker »Incantation and Dance« von John Barnes Chance mit »Respekt« von Betin Günes ein weiteres Bläserwerk des in Köln lebenden türkischen Komponisten im Gepäck.

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