Speed-Dating mit Katzenjammer

Die norwegische Band Katzenjammer ist mit neuer Platte auf Tour. Auch in München machen die vier Damen Station. Da hat die CLARINO-Redaktion einen fast schon waghalsigen Plan: Die müssen wir vors Mikro bekommen. Und zwar alle vier.

Das Problem: für vier Musikerinnen braucht es im Idealfall auch vier Fragesteller. Die Idee: Ein Speed-Dating-Interview! Die Skepsis: »Das machen die nie! – Aber fragen kann man ja mal.« Die Antwort: »Klar machen wir das!«

Und tatsächlich, die machen das sogar mit großer Freude. »Das ist sehr effizient. Sehr deutsch«, lacht Marianne Sveen. »Die Deutschen sind so effizient, wenn sie etwas tun. Wir mögen das sehr.« Das Zenith in München ist der Schauplatz des Besprechens.

Es ist noch die Ruhe vor dem Sturm, als sich das Fragesteller-Quartett und der Fotograf vor dem Zenith einfinden. 90 Minuten dauert es noch, bis die Tore fürs Publikum geöffnet werden. Erst in drei Stunden werden die vier Damen der Band Katzenjammer über die Bühne wuseln, wird eine sich ans Schlagzeug setzen und die anderen sich ein neues Instrument schnappen, das Banjo etwa, die Mandoline oder die Bass-Balalaika. Drei Stunden, bis Anne Marit Bergheim sich das Akkordeon greift, bis Marianne Sveen röhrt und die Rampensau markiert, bis Turid Honerud den E-Bass traktiert und bis Solveig Heilo die zierliche kleine Fee gibt, zumindest, bis sie zu »A Bar in Amsterdam« kräftig in die Trompete bläst.

Und fast fünf Stunden, bis auch dem letzten Besucher klar ist, dass der Name definitiv nicht Programm ist: Katzenjammer aus Norwegen. Noch also sind Cornelia Härtl, Andrea Iven, Christian Mayr und Klaus Härtel leicht nervös. Wird der Plan tatsächlich aufgehen? Er wird.

Ein neues Konzept: Das Speed-Dating-Interview

Der Tourmanager der Band hat alles schon vorbereitet. Es gibt zwei Räume mit jeweils zwei Sofas, auf denen sich dann die jeweiligen Pärchen platzieren können. Ist eine Fragerunde vorbei, bleiben die Musikerinnen sitzen, die Journalisten wechseln eins weiter. Der Tourmanager mahnt zudem zur Eile, wenn man zu sehr ins Plaudern kommt. Nicht aus Zeitdruck, aber Speed-Dating ist schließlich kein Kaffeekränzchen. Legen wir also los.

Ihr habt vor über zehn Jahren an der ­Talentshow »Kjempesjansen» teilgenommen – würdet ihr Nachwuchskünstlern empfehlen, dies zu tun?

Turid: Es kann am Anfang schon sehr hilfreich sein in Norwegen. Wir hätten nicht an jedem x-beliebigen Wettbewerb teilgenommen. Aber ich denke, wenn man das Programm mag und wenn man sich wohlfühlt, ist es in Ordnung. Jump in! Kjempesjansen ist eben keine Castingshow, sondern ein Wettbewerb, bei dem jeder sein Ding macht. Wir haben zwar leider nicht den ersten Platz, aber etwas Geld gewonnen, mit dem wir unsere Ausrüstung erweitern konnten. Und das hat, weil wir ja noch am Anfang standen, sehr geholfen.

Marianne: Als wir vor zehn Jahren teilgenommen haben, gab es noch nicht so arg viele Shows wie heute. Ich würde vielmehr empfehlen, live zu spielen. Denn ob eine TV-Show so viel bringt, weiß man ja nicht – bei vielleicht fünf Minuten »on Air«. Ich würde sagen: Setzt nicht alles auf die Karte TV-Show!

Anne Marit: Das kann schon eine tolle Sache sein, wenn man die Chance bekommt. Aber es ist wichtig, dass man immer daran denkt, die Füße fest am Boden zu behalten. Wir sind sehr stolz darauf, dass wir uns selbst sehr behutsam aufgebaut haben. Kjempesjansen ist auch eine eher kleine Show, vielleicht ein bisschen »unschuldiger« als »Idol«, »X-Factor« oder wie diese gehypten Programme alle heißen. Natürlich haben wir teilgenommen, um zu gewinnen. Doch selbst wenn wir gewonnen hätten, denke ich, dass uns das nicht dahingehend beeinflusst hätte, dass wir sofort riesigen Erfolg gehabt hätten. Wir hatten Zeit, wirkliche Musiker zu werden. Bekannt zu werden ist zwar nicht grundlegend schlecht, aber es ist auch eine Herausforderung damit verbunden.

Was wolltest du werden, als du noch ein kleines Mädchen warst? Ärztin, Lehrerin, Prinzessin oder Musikerin?

Solveig: Ich wollte ganz viel werden. Ärztin wäre eine Möglichkeit gewesen. Meine Eltern sind Ärzte. Ich hätte mir auch Biologie oder Sprachwissenschaften vorstellen können. Toll wäre auch Visagistin am Theater oder Kostümbildnerin. Und auch Musikerin. Prinzessin nicht. Ich war eher wie ein Tomboy (Wildfang, Anm. d. Red.). Ich hatte kurze Haare, spielte im Wald und hatte immer schmutzige Knie.

  • 26.01.2016
  • Szene
  • Klaus Härtel, Christian Mayr, Cornelia Härtl, Andrea Iven
  • Ausgabe: 2/2016
  • Seite 44-48

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