"SONAR" von Oliver Waespi - Solo-Tuba sendet Impulse

Im Rahmen ihres Jahreskonzerts führte das Blasorchester der Stadtmusik Luzern unter Franz Schaffner kürzlich das Stück »SONAR« auf, ein Konzert für Tuba und sinfonische Bläser des Schweizer Kom­ponisten Oliver Waespi. Brillanter Solist war Perry Hoogendijk, Solotubist im Royal Concertgebouw ­Orchestra Amsterdam. Das KKL Luzern gehört weltweit zu den besten Konzertsälen; ein würdiger ­Rahmen für die Schweizer Erstaufführung war also gegeben. Der anschliessende Beifall zeigte deutlich, dass das Werk beim Publikum eine lebhafte Zustimmung auslöste. Fritz Neukomm hatte Gelegenheit, ein ­Interview mit dem Komponisten zu führen.

CLARINO: Wer ein Konzert für Tuba und Orchester schreibt, ist sich bewusst, dass ein solches Werk nicht allzu oft aufgeführt wird. Sie haben es trotzdem komponiert. Wann reiften in Ihnen diesbezüglich erste Gedanken?

Oliver Waespi: Die körperliche, intensive Klanglichkeit der Tuba fasziniert mich schon seit längerem. Erste Skizzen zu einem Tubakonzert verfasste ich bereits etwa im Jahr 2004. ­Übrigens denke ich, dass die Bedeutung der Tuba als Solo­instrument im Moment stark im Wachstum begriffen ist. Insofern rechne ich durchaus ­damit, dass mein Tubakonzert wieder aufgeführt werden wird. 

Wer gab schließlich den »Stein des Anstoßes« für die Komposition von »SONAR«?

Das war Perry Hoogendijk, der vor zwei, drei Jahren anfragte, ob ich interessiert wäre, ein Konzert für Tuba und sin­fonisches Blasorchester zu schreiben. Ich sagte gerne zu und begann, ausgehend von den früheren Skizzen ein neues Stück zu entwickeln.

Wer war nun aber der eigentliche Auftraggeber?

Die Mittel für die Komposition »SONAR« wurden von zwei Stiftungen bereitgestellt: zum einen durch die Eduard van Beinum Stichting aus den Niederlanden, benannt nach einem früheren Dirigenten des Königlichen Concertgebouw-Orches­ters Amsterdam, Eduard van Beinum, zum anderen durch die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia, die mein Tubakonzert in die Reihe der Kompositionsaufträge 2011 aufnahm. 

Oliver Waespi

Oliver Waespi wurde 1971 in Zürich geboren und lebt heute in Bern. Er studierte Komposition an der Musikhochschule Zürich und der Royal Academy of Music in London. Er erhielt unter anderem einen Preis beim Kompositionswettbewerb 1999 in Corciano, den George-Enescu-Kompositionspreis 2003, das London-Stipendium 2005 der Zuger Kultur­stiftung Landis & Gyr, war Preisträger beim Uuno-Klami-Kompositionswettbewerb 2009 in Finnland und gewann den Kompositionspreis 2011 des Eidgenössischen Orchesterverbands.

Seine Musik wurde in vielen Ländern aufgeführt, unter anderem bei Festivals und im Rahmen von Konzertsaisons wie das George-Enescu-Festival, die »Hear and Now«-Konzertreihe der britischen BBC, das Festival »Szenenwechsel«, das Schweizerische Tonkünstlerfest, Mid-Europe-Festivals oder WASBE-Weltkonferenzen. Zu den vielen Interpreten seiner Werke gehörten in neuerer Zeit das BBC Philharmonic Orchestra, die BBC-Singers aus London, das Brodsky-Quartett, das Berner Kammerorchester, die Osaka Municipal Symphonic Band, das Landesblasorchester Baden-Württemberg sowie zahlreiche renommierte Bläserensembles und Brassbands.

Angesichts des Interpretenkreises wird deutlich, dass Oliver Waespi vielfältige musikalische Interessen pflegt. Neben seiner Tätigkeit als Komponist kommt Waespi regelmäßig als Experte bei Musikwettbewerben zum Einsatz, leitet Workshops und ist Lehrbeauftragter an der Hochschule der Künste Bern.

  • 20.03.2012
  • spielBAR
  • Ausgabe: 4/2012
  • Seite 62-64

« zurück