Solotrompeter Andreas Öttl im Gespräch: Dafür ist man Trompeter!

Foto: Wilfried Hösl

Trompeter kennen nur »forte«. Heißt es. Ein Klischee, klar. Der Österreicher Andreas Öttl, Solotrompeter an der Bayerischen Staatsoper in München, ist da eher das Gegenteil. Sicher kann der auch laut, doch im Gespräch gibt er sich zurückhaltend, ist ganz sicher kein »Hoppla-jetzt-komm-ich-Typ«. Er redet dann aber doch ganz gerne. Auch über Klischees.

»Ein Trompeter, der nicht auffallen will, hat seinen Beruf verfehlt.« Ist da was dran?

(lacht) Um jeden Preis auffallen möchte ich nicht unbedingt. Wenn, dann nur positiv. Die Trompete ist allerdings meist sehr dominant im Orchester und auch in der Blaskapelle. Sie hat immer eine wichtige Funktion. Aber auffallen – eher nicht.

Aber der Trompeter als Alphatier – das passt schon, oder? 

Die Alphatiere gibt es sicherlich, aber das ist charakterabhängig. 

Warum sind Sie Trompeter geworden?

Mein Papa war Kapellmeister in St. Anton am Arlberg. Das habe ich von klein auf geliebt. Der Flügelhornist hat mich damals sehr beeindruckt – und deshalb wollte ich Flügelhorn lernen. Das habe ich auch gemacht. Neun Jahre alt war ich da. Nach zwei Jahren durfte ich in der Kapelle mitspielen. Zur Trompete bin ich dann später gekommen, durch den Musikunterricht in der Musikschule. Schließlich bin ich zur Militärmusik gegangen. 

Was hat Sie denn so beeindruckt an den Instrumenten?

Das Flügelhorn hat mich beeindruckt, weil es in der Blaskapelle immer die Melodie zu spielen hatte. Da war die Trompete noch gar nicht so interessant. Die Trompete hat in der Blaskapelle oft eine Signal- oder Begleitfunktion. Inzwischen ist mein Bruder Kapellmeister und wenn Not am Mann ist, spiele ich auch mal Trompete. Sie ist mittlerweile schon mein Hauptinstrument. Im Orchester kommt das Flügelhorn ja so gut wie nie vor.

Wenn man sich Ihre Biografie anschaut, stolpert man öfters über den Namen Hans Gansch. Sie haben bei ihm am Mozarteum in Salzburg studiert und sind mittlerweile dort als Professor sein Nachfolger geworden. Wie hat Hans Gansch Ihre Karriere beeinflusst?

(lacht) Ganz maßgeblich. Ich habe vorher in Feldkirch bei Professor Lothar Hilbrand studiert und wollte eigentlich »nur« – in Anführungszeichen! – Musikschullehrer werden. Mein voriger Trompetenlehrer Martin Rabl nämlich hat mich dermaßen beeinflusst, dass ich genau diesen Weg einschlagen wollte. 

Zuvor war ich auf einer Handelsschule – nach drei Jahren ging es nur noch um Buchhaltung und dergleichen. Das hat mir so gar nicht zugesagt. Meine Eltern haben mich in der Entscheidung, Musik zu machen, sehr unterstützt – auch mit 25 noch. 

Ich bin mit 19 zur Militärmusik Vorarlberg, parallel dazu konnte ich studieren. Und Professor Hilbrand wiederum hat mich dann nach Salzburg zu Hans Gansch geschickt. Erst da habe ich zum ersten Mal über das Orchester nachgedacht. Bis dahin hatte mich das gar nicht interessiert. Gansch meinte ganz lapidar: »Dann versuchen wir das doch mal!« Von da an war der Weg vorgegeben. Das hat mir wahnsinnig gut gefallen. 

Das PDF enthält alle vier Artikel des Schwerpunktthemas »Das hohe Blech - Klanglicher i-Punkt im Orchester«: 

  • 30.01.2019
  • Schwerpunktthema
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 2/2019
  • Seite 26-29

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