Sinfonische Bläsermusik in der Alten Oper Frankfurt: Potenzial vorhanden!

Das Sinfonische Blasorchester der Goethe-Universität konzerte im Großen Saal der Alten Oper Frankfurt. (Foto: AOF / Tibor-Florestan Pluto Photography)

Eher selten können die prachtvollen Konzertsäle klassischer Sinfonieorchester für Veranstaltungen von sinfonischen Blasorchestern genutzt werden. Doch es gibt Ausnahmen wie etwa die WASBE-Veranstaltungen im Kultur- und Kongresszentrum Luzern und im »Esplanade – Theatres on the Bay« in Singapur – oder auch die Neujahrskonzerte der Bläserphilharmonie Mozarteum Salzburg in der Felsenreitschule.

In Deutschland konzertierte das Symphonische Blasorchester Leipzig schon mehrmals im Gewandhaus. Mitte September konzertierte das Sinfonische Blasorchester der Goethe-Universität Frankfurt am Main zum ersten Mal im fast 2500 Zuhörer fassenden, mit Mahagoniholz getäfelten und für seine hervorragende Akustik gerühmten Großen Saal der Alten Oper Frankfurt.

Das Musikfest »Eroica«

Der Auftritt fand innerhalb des Musikfestes »Eroica« statt, einem Projekt im Rahmen von BTHVN2020 (Beethoven als Bonner Weltbürger, Tonkünstler, Humanist, Visionär, Naturfreund), welches unter anderem gefördert wird durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien und durch den Kulturfonds Frankfurt RheinMain.

Die Verantwortlichen bewiesen eine glückliche Hand, als sie nach dem Frankfurter Opern- und Museumsorchester mit Beethovens »Eroica« und Richard Strauss’ »Heldenleben« auch das Sinfonische Blasorchester unter dem Titel »Beethoven und die Musik der Französischen Revolution« in das Programm integrierten.

Lisa Marie Bodem und das Blasorchester der Goethe-Universität

Dieses noch relativ junge Orchester wurde erst zum Wintersemester 2016/2017 im Rahmen des Collegium Musicum des Instituts für Musikwissenschaft der Frankfurter Goethe-Universität gegründet und setzt sich zurzeit aus etwa 60 Musikerinnen und Musikern aus dem Amateurbereich sowie aus Profis zusammen.

Es hat sich zum Ziel gesetzt, Originalkompositionen der sinfonischen Blasmusikliteratur aufzuführen, welchen es sich besonders verpflichtet fühlt, und gab mit engagierten Programmen originaler Bläserliteratur schon mehrere Konzerte im großen Festsaal der Universität.

Lisa Marie-Bodem, die Gründerin und Dirigentin des Orchesters, hat sich viele Gedanken zum Auftritt in Frankfurts Zentrum der Hochkultur gemacht: »Ich weiß nicht, ob ›Aufbruch‹ ein zu großes Wort ist, was das Konzert im Großen Saal der Alten Oper für unsere Szene im Nachhinein bedeuten wird. Für mich persönlich ist eine große Zukunftsvision, sinfonische Blasmusik und klassische Musik bzw. die Klangkörper Sinfonisches Blasorchester und Sinfonieorchester in einem Konzertevent zu vereinen, an diesem Tag Wirklichkeit geworden.

Viele Zuhörer erlebten dabei zum ersten Mal unsere Klangwelt und waren begeistert – weil es an einem solchen Haus mal etwas anderes zu hören gab als ein klassisches Sinfonieorchester und sie von der sehr guten Qualität der Originalkompositionen für Blasorchester und dem sinfonischen Klang eines solchen Orchesters keine Vorstellung hatten. Da ist viel Potenzial nach oben vorhanden, etwas in den Köpfen der Kulturwelt zu bewegen und den Klangkörper Sinfonisches Blasorchester aus seinem Nischendasein wegzuführen.

Wir freuen uns sehr, dass wir hier einen Anstoß liefern durften und dass wir auch im nächsten Jahr wieder in der Alten Oper in einem Konzert mit dem ganzen Collegium Musicum dabeisein werden! Das ist ganz wunderbar, denn die Arbeit mit den Musikern macht sehr viel Spaß, und für die Universität ist es eine Bereicherung, dieses Sinfonische Blasorchester zu haben.«

Das Programm: »Beethoven und die Musik der Französischen Revolution«

Der Gedanke, dass sich Beethoven wohl auch von der Musik der Französischen Revolution inspirieren ließ, führte zu einem Programm, das Originalwerke der damaligen Zeit sowohl der Bearbeitung einer Beethoven’schen Klaviersonate als auch der ironischen Persiflage Mauricio Kagels auf alles Kriegerische in der Musik gegenüberstellt.

  • 05.12.2019
  • Szene
  • Jürgen K. Groh
  • Ausgabe: 11/2019
  • Seite 42-44

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