»Sinfonietta« von Axel Ruoff: Die klassische Form

»Wenn man für Blasorchester schreibt, ist man für Streichquartett gestorben.« Was Rolf Rudin etwas überspitzt in den frühen neunziger Jahren äußerte, kann Axel Ruoff durchaus nachvollziehen. Im Schubladensystem des Musikbetriebs werde man ziemlich schnell als Blasorchesterkomponist, Kirchenmusikkomponist oder was auch immer abgestempelt. »Ich halte solche Spezialisierungen für einengend und habe immer versucht, mich dem zu entziehen, indem ich auch stilistisch unterschiedlichste Musik geschrieben habe.«

Axel Ruoffs »Sinfonietta« entstand im Jahre 2006 im Auftrag eines Konsortiums unter Führung der deutschen WASBE-Sektion. Dem 16-köpfigen Gremium gehörten zahlreiche VIPs der deutschen Szene an, unter anderem Marc Lange, der am 3. März 2007 im Rahmen des 2. Deutschen Bläserforums in Stuttgart zusammen mit der Bläserphilharmonie Heilbronn die Uraufführung gestaltete.

»Sinfonietta« ist die Diminution von »Sinfonie«. Beide Formen sind in der Regel mehr-, aber manchmal – wie hier bei Axel Ruoff – auch einsätzig gestaltet. Das Werk kann als Versuch gedeutet werden, die Sinfonie als Gattung wiederauferstehen zu lassen, ohne dass deshalb im entferntesten Assoziationen wie »Neoklassizismus« (wie zum Beispiel in Prokofjews »Symphonie Classique«) ins Gedächtnis kommen. Daher klingen einige Passagen eben auch wie Zitate aus der Musik früherer Epochen – oder zumindest wie ein Anklang daran.

  • 22.02.2017
  • spielBAR
  • Joachim Buch
  • Ausgabe: 3/2017
  • Seite 65-67

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