"Sinfonie der Lieder" von Johan de Meij

  • 23.10.2013
  • spielBAR
  • Joachim Buch
  • Ausgabe: 11/2013
  • Seite 64-67

Wie auch die ersten drei Sinfonien von Johan de Meij hat auch seine Nummer 4 einen programmatischen Hintergrund. Nach »Der Herr der Ringe« (1988) und der New-York-Sinfonie »The Big Apple« (1994) war die 3. Sin­fonie »Planet Earth« (2006) eine Apotheose an die Erde. Die 4. Sinfonie für Mezzosopran, Kinderchor und Blasorchester mit dem Untertitel »Sinfonie der Lieder« kann als Hommage an Gustav Mahler angesehen werden – nicht nur wegen der Klangsprache, sondern auch, weil die verwendeten Lieder zu einem Großteil aus Quellen stammen, denen sich auch Gustav Mahler bedient hat.

Die 4. Sinfonie entstand im Auftrag des Verbandes Südtiroler Musikkapellen (VSM) und des Südtiroler Künstlerbundes und wurde im vergangenen Sommer vom Südtiroler Jugendblasorchester unter Peter Vierneisel im Rahmen eines Konzerts bei den Gustav-Mahler-Musikwochen in Tob­lach uraufgeführt. Er empfand es als »besondere Ehre«, dass bei den Mahler-Musikwochen auch ein sinfonisches Blasorchester eingeladen wurde. Vierneisel stellte das Konzert unter das Motto »Ich bin der Welt abhanden gekommen?«, wobei er mit dem letzten Satzzeichen diese berühmte Äußerung Mahlers infrage stellen wollte. Bei der Konzeption des Programms war es ihm wichtig, dass sowohl im Auftragswerk als auch in den anderen Stücken – neben de Meijs Sinfonie erklangen »Nocturnus« für Violoncello, Harfe und Blasorchester von Pavel Staněk und die 3. Sinfonie von James Barnes – Mahlers biografisches Gefühls­leben aufgegriffen werden sollte. Der Komponist sei hin und her gerissen gewesen zwischen Freud’ und Schmerz, Hoffen und Bangen.

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