shutteln und schummeln - erlebnisse einer tiefgekühlten clarino.nacht_konzerthüpferin

  • 21.09.2011
  • Mainstory
  • Evamarie Meier
  • Ausgabe: 3/2003
  • Seite 26-31

Ich habe ein Körperteil hinzugewonnen bei der clarino.nacht_der_bläsermusik: einen Finger der Seele. Eigentlich ist Klaus Kreuzeder daran schuld. Aber dazu später. Ich wurde als Versuchskaninchen herumgeschickt, in tiefschneetauglichen Stiefeln versteht sich. »Alle Neune!« lautete der Auftrag. Anders gesagt: Ist es möglich, in fünf Stunden neun Konzerte beim Buchloer Bläserspektakel für eine Reportage abzuklappern? Und zwar nur mit Hilfe der Shuttlebusse? Um es vorwegzunehmen: Es ist unmöglich. Ich habe erst geshuttelt, dann geschummelt – nur sieben Auftritte gehört und von denen nicht allzu viel. Aber ich habe auch ein unglaubliches Finale gehört und das Ganze genossen. Meine zehn Zehen haben in fünf Stunden -zig Klimazonen durchwandert: vom polaren Eis der Bushaltestellen über die wohltemperierten Zonen einer Buchloer Stadtkapelle bis zu den Schweiß treibenden Tropen einer »Schäl Sick Brass Band« und dem lavaheißen Sound der »Bananafishbones«. Und dass ich als Versuchskaninchen im Akkord-Zuhören gescheitert bin – was spielt’s für eine Rolle nach einer so wundervollen Nacht.

Pünktlich um 20 Uhr stehe ich in den Startlöchern, reihe mich ein in die Schlange vor dem Gasthaus Eichel, wo die alpinen Entertainer von »Blechragu« schon erste bläserische Schatten vorauswerfen. Zögere, gehe wieder: zu viel Zeitverlust, bis die Karten da vorne verkauft sind. Dann lieber hopp, hopp zur Nachbarstation in der alten VfL-Turnhalle bei János Mazura. Der ist nicht so bekannt. Da müsste ich satte sieben Minuten einsparen können. Himmel, wie groß so eine Tuba ist! Und wie viel Humor sie hat! Die unterwegs tiefgekühlten Zehen wippen sich automatisch im »Mosquito-Jazz«-Takt ein. Doch nicht nur die, denn 100 Mithopper wippen mit. Das ist der Rhythmus, dass jeder Hasenfuß mit muss. Später wird János Mazura, der Tubist, meisterhaft auf einer Fantaflasche blasen. Aber da bin ich schon wieder auf der Piste.

 

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