sérgio carolino - ... der auf seiner tuba zwitschert und vibriert

Wie sieht ein Star aus? Sterne leuchten, und zwar in aller Regel, weil sie Licht reflektieren. Sérgio Carolinos blaue Augen leuchten auch, doch ihr Blitzen kommt von innen. Also kein Star? Von wegen. Nicht nur in der Musikszene seiner Heimat ist der Mann ein Knaller. Auch auf dem internationalen Tubisten-Podium hat er einen tiefen Eindruck hinterlassen. Dabei sind es nicht einmal nur die tiefen Töne seines Instruments, mit denen Sérgio Carolino fasziniert. Gut sechs Oktaven groß ist die Klaviatur, auf der der Portugiese – mit gerade mal drei Ventilen – spielen kann. Und zwar wirklich spielen, nicht nur mal die Töne anblasen. Dass er sowohl in Sinfonieorchestern als auch im Jazzensemble seine gewaltigen Fähigkeiten ausgelotet hat, ist für ihn dabei entscheidend.

Und der Herr Professor (für Tuba und Kammermusik an der Lissabonner Orchesterakademie) ist noch nicht zufrieden. Wie auch, mit gerade mal 32 Jahren? Die Weltmusik lockt ihn, hier glaubt er, noch ganz neue Klangwelten seinem monumentalen Blasinstrument erschließen zu können. Denn Sérgio Carolino ist ein wahrer Fan der Tuba im ursprünglichsten Sinn des Wortes: »Wenn man verschiedene Musiksstile auf demselben hohen Level machen und dabei eine neue Phrasierung, einen neuen Zugang zum Instrument entwickeln will, muss man schon ein wenig fanatisch sein.« Und was das beinhaltet, weiß Sérgio Carolino genau: »Man muss sehr viel Zeit und Lebensenergie hineinstecken.«

 

  • 21.09.2011
  • Sinfonisch
  • Uschi Mohr
  • Ausgabe: 12/2005
  • Seite 10-11

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