Schwerunktthema: Das Hobby zum Beruf machen (Theinerts Thema)

  • 18.05.2016
  • Schwerpunktthema
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 6/2016
  • Seite 27-29

Sein Hobby zum Beruf machen – Dies hört man oft von Fußballern, Schriftstellern und natürlich Musikern. Doch so leicht ist das natürlich nicht. Wir sprachen mit Markus Theinert über die Träume und Möglichkeiten, aber auch die Gefahren. Denn Markus Theinert kennt das Metier Als Musiker, Dirigent, Instrumentenbauer und Marketingleiter.

Herr Theinert, ist es tatsächlich möglich, sein Hobby zum Beruf zu machen?

Ich glaube, das ist der Traum vieler Menschen. Denn ein Hobby impliziert ja für die meisten von uns, dass es einem Spaß macht. Und das Leben ist nun einmal viel leichter, wenn man Dinge tut, die einem Freude bereiten, die man gut kann und mit denen man sich gerne näher beschäftigen möchte.

Es ist also eher umgekehrt: Wenn es jemand nicht schafft, seinen Kindheitstraum oder sein Hobby zum Beruf zu machen, sind große Abstriche zu erwarten. Wenn es einem aber gelingt – und die Musik ist ein fantastisches Beispiel dafür – dann gibt es nicht Schöneres. Die Frage bleibt natürlich: Was ist Hobby und was ist Beruf? Wo sind die Grenzen? Da muss man sich dann auf die gängigen Definitionen verlassen.

Aber: Ja, absolut. Man kann das Hobby zum Beruf machen. Spätestens dann, wenn der junge Mensch sich in der Ausbildung befindet und sein Hobby zum Studienfach gemacht hat, sind die Weichen in diese Richtung gestellt. Wenn wir allerdings vom Hobby eines anderweitig berufstätigen Erwachsenen sprechen, wird dies seltener. Doch auch hier kann der Spätberufene feststellen, dass sein Hobby ihm mehr bedeutet als nur eine Freizeit­beschäftigung am Wochenende.

Besteht denn auf der anderen Seite die Gefahr, sich sein Hobby im Laufe der beruflichen Laufbahn zu verleiden? Oft stellt der Beruf nur eine Notwendigkeit dar, die dem Broterwerb dient.

Das gilt tatsächlich für jede Form einer professionellen Beschäftigung mit einem Sujet. Sobald man damit Geld verdienen muss, wird das, was man mit Freude, Engagement und Leidenschaft betrieben hat, auf einmal mehr als nur eine Erfüllung des eigenen Strebens.

Es fängt oft schon mit falscher Selbsteinschätzung an. Was Spaß macht, ist leider nicht für alle Menschen auch das Gebiet, auf dem sie besonders begabt sind. Ein Hobby kann im kleinen Rahmen durchaus erfüllend sein – doch im professionellen Umfeld braucht es eben auch eine außergewöhnliche Begabung. Die Einschätzung des eigenen Talents ist nicht bei allen Menschen realistisch. Viele neigen zur Selbstüberschätzung, was die Fähigkeiten in ihrem Hobby angeht.

Das ist die eine Seite. Und wenn das, was ich tue, nicht mehr nur dem Gegenstand selbst – also dem Erleben der Musik –, sondern dem eigenen Lebensunterhalt dienen muss, dann gehen die Erwartungen schnell in eine ganz andere Richtung. Wenn eine Konzertaufführung nur darauf angelegt werden soll, dass das Publikum bereit ist, dafür viel Geld auszugeben, dann habe ich ein anderes Interesse, als wenn ich diese Aufführung nach eigenem Wissen und Gewissen so vorbereite, dass die Musik selbst zum Tragen kommt oder zumindest eine Chance hat.

Ich muss auf den Publikums­geschmack, auf die Konzertagentur und andere außermusikalischen Rahmenbedingungen Rücksicht nehmen. Wenn ein Komponist schreibt, weil ihm etwas einfällt, ist das eine Sache; wenn er dagegen so »komponiert«, dass sich die Partituren möglichst oft verkaufen, ist das eine andere. Hier sind dann solche Dinge ausschlaggebend, die uns vom eigentlichen Zweck des Musizierens wegbewegen: der geistigen Erbauung unseres Bewusstseins.

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