Schwerpunktthema: "Wir brauchen dich!" - Bilkay Öney und Martin Neumeyer über Integration

  • 15.10.2012
  • Schwerpunktthema
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 11/2012
  • Seite 28-30

In Deutschland leben etwa 16 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. Nach der Definition des statistischen Bundesamtes sind das alle »seit 1950 eingewanderten Personen und deren Nachkommen«. Das ist ein Fünftel der Bevölkerung. Exakt in Relation zum demografschen Status Quo betätigen sich in Sportvereinen 1,3 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. Also auch 20 Prozent. In anderen sozialen Bereichen findet sich keine Entsprechung. 

Bei den Feuerwehren und Rettungsdiensten sind etwa 1,3 Millionen Menschen beschäftigt. Davon haben gerade einmal 13 000 einen Migrationshintergrund. Staatlich subventionierte Orchester rekrutieren perfekt ausgebildete Musiker aus anderen Ländern. Im örtlichen Musikverein aber sind Migranten eine Rarität. Verlässliche Zahlen dazu gibt es keine. Die universelle Sprache der Musik verstummt gegenüber der integrativen Kraft des Sports. Wir ­sprachen mit Bilkay Öney, Landesminis­terin für Integration in Baden-Württemberg, und Martin Neumeyer, Integrationsbeauftragter der Bayerischen Staatsregierung.

CLARINO: Wie ist – ganz allgemein – der Stand der Dinge, was die Integration von ausländischen Mitbürgern angeht?

Bilkay Öney: Die Integrationsgeschichte Baden-Württembergs hat viel mit dem Zweiten Weltkrieg zu tun. Viele Ver­trie­bene, Flüchtlinge und Zuwanderer haben nach dem Krieg hier eine neue Heimat gefunden. Mit der Entstehung Baden-Württembergs 1952 begann die Integration der verschiedenen Landesteile zum Südweststaat. Inzwischen ist Baden-Württemberg das Flächenland mit dem höchsten Migrantenanteil. Hier hat jeder vierte Einwohner ausländische Wurzeln. Baden-Württemberg ist ein vielfältiges Land, Baden-Württemberg ist ein erfolgreiches Land. Die Vielfalt der Bevölkerung hat wesentlich zur Prosperität beigetragen. Aber auch im Südwesten gibt es Probleme bei der Inte­gration von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte: Sie sind häufiger von Arbeits­losig­keit und Armut betroffen, Jugendliche haben größere Probleme beim Übergang von der Schule in die Berufswelt. Immer noch hängt der berufliche und soziale Aufstieg stark von der Herkunft ab. Damit vergeben wir Potenziale und Perspektiven, die wir in Zeiten des Fachkräftemangels dringend brauchen.

Das PDF enthält alle fünf Artikel des Schwerpunktthemas "Integration":

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