Schwerpunktthema: Wie uns Musik ergreift - die Psyche des Hörers

  • 23.08.2012
  • Schwerpunktthema
  • Hans-Jürgen Schaal
  • Ausgabe: 9/2012
  • Seite 30-32

Alle wollen Musik, alle brauchen sie. Denn Musik berührt ­unsere Seele, heilt unsere Wunden und bringt unseren Körper in Bewegung. Der »Reizklang« Musik wirkt in vielfältiger Weise auf unser Gehirn und Gefühl: als Medizin, als Manipulation, als Droge.

Vermeidet die mixolydische Tonart, denn sie macht kläglich und jämmerlich. Ver­meidet auch die ionische und die lydische Tonart, denn diese fördern die Verweich­lichung und Erschlaffung. Befleißigt euch hingegen der dorischen Tonart, denn sie wirkt ermutigend, sowie der phrygischen Tonart, denn sie stimmt milde! – So etwa hätte der Philosoph Platon eine Musik­kapelle ermahnt, die sich zum Bühnenauftritt fertig macht. Der berühmte Grieche wusste genau, dass Musik allergrößte Macht über die Seele der Menschen besitzt und auf diese ebenso sehr erzieherisch wie verderblich wirken kann. In allen frühen Kulturen der Menschheit war die Zauberkraft der Klänge bekannt, weshalb man den Ursprung der Musik bei den Göttern vermutete – oder bei bösen Dämonen –, jeden­falls bei übermenschlichen Instanzen. Religion, Macht und Militär bedienen sich geschickt der Überzeugungskraft der ­Klänge und Rhythmen. Wer Musik hört, wird grundsätzlich manipuliert. Auch heute sollten sich Musiker dieser Macht, die sie haben, bewusst sein – und der Verantwortung, die sich daraus ergibt. 

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