Schwerpunktthema: Um des Spielens Willen! Michael Stecher im Gespräch

  • 18.11.2013
  • Schwerpunktthema
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 12/2013
  • Seite 34-37

Viele Orchesterleiter fragen sich, wie sie ihre Musiker am besten motivieren können. »Diese Frage ist aber nicht richtig gestellt, denn sie gleicht der Fragestellung: Wie erzeugt man Hunger?« Der Pädagoge Michael Stecher hat sich viele Gedanken zum Thema gemacht, hat Bücher geschrieben und hält Vorträge. Wir haben uns mit dem Pädagogik-Dozenten der Musikhochschule Freiburg unterhalten.

Herr Stecher, als Einstiegsfrage: Was bedeutet eigentlich Motivation? Was versteht man unter Motivation?

Das definiert erst einmal das Wort: Moti­vation kommt aus dem Lateinischen und bedeutet »Bewegen«; etwas bewegen, den Menschen bewegen. Darin steckt aber schon die Frage: Was bewegt den Menschen tatsächlich? Was sind die Hauptstellschrauben der menschlichen Motivation, damit er etwas tut? Tun kann er ja vieles. Er kann sinnvolle Dinge tun und er kann weniger sinnvolle Dinge tun. Immer aber steckt die Motivation dahinter, die den Menschen antreibt, damit er sich überhaupt bewegt. 

Man unterscheidet zwischen intrinsischer und extrinsischer Motivation. Was bedeutet das genau?

Intrinsisch und extrinsisch sind zwei Gegensatzpaare, die nicht unbedingt als Gegensätze zu deuten sind. Denn wir kommen zu keiner intrinsischen Motivation, wenn nicht zuvor extrinsisch etwas passiert ist. Intrinsisch bedeutet, dass ich eine ­Sache um ihrer selbst willen mache. Der Musiker übt um des Übens willen. Er geht in eine Probe um des Probens willen, nicht etwa wegen Geld. Geld könnte eine ex­trinsische Motivation sein. Die intrinsische Motivation ist ein Paradebeispiel, sie ist einzigartig für den Menschen. Wir sind nicht nur triebgesteuert, wir sind auch nicht nur Werk der Gesellschaft, sondern der Mensch ist auch in der Lage, über sich selbst nachzudenken, Werk seiner selbst zu sein. Die intrinsische Motivation ermöglicht Tätigkeiten, die der Mensch hauptsächlich angetrieben aus der Sinnfindung tut. Die Sinnfindung ist die Hauptquelle der menschlichen Motivation. Wenn wir diese intrinsischen Momente durchleben, sind wir nicht nur bei uns selbst, sondern transzendent. Hier kommt der schöne Begriff »Flow« ins Spiel. Man ist so in der Tätigkeit gefangen, dass man die vergehende Zeit gar nicht mehr wahrnimmt.

Das PDF enthält alle fünf Artikel des Schwerpunktthemas "Motivation - Leidenschaft weitergeben":

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