Schwerpunktthema: Über die (Un)-Macht - Markus Theinert im Gespräch

  • 14.04.2014
  • Schwerpunktthema
  • Martin Hommer
  • Ausgabe: 5/2014
  • Seite 34-37

Mannheim gilt als die Wiege einer neuen Orchesterklangsprache. Die »Mannheimer Schule« wirkte prägend für eine neue Orchester­struktur, brachte einen neuen Kompositionsstil und wirkt mit der Vereinheitlichung etwa der dynamischen Tätigkeit bis heute nach. In Mannheim traf Redakteur Martin Hommer nach dem Rosengartenkonzert der Mannheimer Bläserphilharmonie deren Dirigenten Markus Theinert und sprach mit ihm über das Thema »Innere Strukturen des Orchesters aus der Sicht des Dirigenten«. So war der Plan. Aber lesen Sie selbst…

CLARINO: Herr Theinert, es geht um die innere Struktur im Orchester. Jedes (gute) Orchester hat ja eine innere Struktur. Es gibt einen Konzertmeister, Registerführer und Stimmführer. Aus der Dirigentenperspektive gefragt: Wozu braucht man diese Struktur?

Markus Theinert: Ich glaube nicht, dass die Dirigentensicht an dem Thema etwas ändert. Denn es ist eine strukturelle Über­legung und nicht so sehr eine hierarchische oder eine organisatorische. Sie ist aus den Funktionen im Tonsatz hergeleitet. Wir können bei einer Vielzahl von Musikern ohne Vereinheitlichung gar nicht sinfonisch arbeiten: Jede Gruppe, jedes Register braucht eine Orientierung, sobald mehr als ein Bewusstsein am Werk ist. 

Wenn ich für mich alleine musiziere, ist das überflüssig, weil ich selbst alles gestalte, selbst für die gesamte Kohärenz der musikalischen Gedanken verantwortlich bin und niemanden mit einzubinden habe. Bei einem Duo fängt es aber schon an. Auch wenn es wechseln kann – es ist immer ­einer, der prioritär führt. Und der zweite, der reaktiv mitgeht. Diese Funktion kann in einer kammermusikalischen Besetzung wechseln, im Orchester ist sie normalerweise von den Arrangeuren und Komponisten vorgegeben. In der Regel wären also die ersten Stimmen, die auch im Tonsatz führende Stimmen sind, an die ersten Konzertmeister vergeben. Also beispielsweise an die Solo-Klarinette, an den Solo-Oboisten oder an die Solo-Trompete. Damit fällt ihm automatisch auch die Rolle des Satzführers oder Registerführers zu. Das ist aber kein Gedanke, der vom Dirigenten aus zu organisieren ist, sondern der aus dem Tonsatz selbst stammt.

Das PDF enthält alle sechs Artikel des Schwerpunktthemas "Macht Musik - Führung im Orchester":

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