Schwerpunktthema: Üben ist doof! - Herausforderung für Lehrer und Eltern

Kids können stundenlang an der Spielkonsole rumhängen, aber das seelenerbauende Spielen am Instrument fad finden. Wie können wir den Spieltrieb unserer Kinder aktivieren?

Es könnte sein wie am Computer: Level für Level weiterkommen, immer die Erfahrung machen, wieder eine Stufe geschafft zu ­haben. Und dann das Feedback: »Hey, du bist großartig!« Die Kunst besteht darin, die Schüler ständig zu fordern ohne sie zu frustrieren. Gelingt es, schon die ersten komplizierten Lernschritte zum Spiel zu machen, geht alles leichter von der Hand. So badet unser Gehirn in Lusthormonen. Aber nur wenige Lehrer und Eltern beherrschen diese Kunst. Der Spiele-Entwickler Ralph Koster sagt: »Spaß ist nur ein anderes Wort für Lernen.« Gilt das auch für den Unterricht?

Begeisterung

Der Schlüssel ist zunächst unsere (!) und ihre Begeisterung. Meist können sich Kinder sehr genau an ihre Initialzündung er­innern, wieso sie genau dieses und kein ­anderes Instrument lernen wollten. Ich erinnere meine Schüler sehr gerne an diese erste Begeisterung. Ich weiß bei jedem Kind genau, was es war, was ihn/sie zuerst fasziniert hat. Darauf nagle ich sie immer wieder fest: »Kannst du dich noch erinnern, wie es war, als du das erste Mal eine Trompete gehört hast und dieses Instrument unbedingt lernen wolltest? Und genau das machst du jetzt, spitze! Bleib dran, dann wirst du bald super spielen können. Und jetzt – los!« Die Verbindung mit unseren Wünschen setzt immense Energien frei.  Manchmal müssen wir auch härter ran, um sie wieder an ihre selber gesteckten Ziele zu erinnern. Manches Kind braucht eine ganz klare Ansage: »Du wolltest, jetzt mach! Ich helfe dir dabei.« Kinder müssen früh genug lernen, dass ab einem gewissen Punkt zuerst die Arbeit kommt und dann erst in Folge der Spaß. Übrigens: Eigentlich meinen wir »Freude« und nicht »Spaß«, oder...!?

Das PDF enthält alle sechs Artikel des Schwerpunktthemas "Kinder zur Musik!":

Stefan Dünser, geboren 1968, Trompetenstudium in Feldkirch und ­Basel bei Edward H. Tarr (Konzertdiplom mit Auszeichnung). Gesangs- und Stimmbildungs­unterricht sowie fünf Jahre Unterricht am Jazzseminar Dornbirn. Solotrompeter im Sinfonieorchester des Landes Vorarlberg/Bregenz. Seit 1987 Lehrer für Trompete an der Musikschule Dornbirn. Trompeter im Sonus Brass Ensemble (www.sonusbrass.at) und bei »Die Schurken« (www.dieschurken.at). Stefan Dünser ist international als Lehrercoach tätig sowie gefragter Kursleiter und Juror. Dünser gewann einige internationale Preise wie 2008 den JOP Berlin und 2011 im Sonus Brass Ensemble den EARopean YEAH! Award mit »Rocky Roccoco«.

  • 17.12.2012
  • Schwerpunktthema
  • Stefan Dünser
  • Ausgabe: 1/2013
  • Seite 26-27

« zurück