Schwerpunktthema: Toleranz! - Die Unterbiberger Hofmusik machts vor

Eigentlich sei ja schon das Wort Integration »a Schmarrn«, findet Franz Josef Himpsl, Trompeter, Sänger und Familienoberhaupt der »Unterbiberger Hofmusik«. Und das, nachdem man über zwei Stunden über das Thema diskutiert hatte. Aber Himpsl ist eben Musiker und kein Theoretiker. Der macht. 

Fährt man mit der S7 aus München in Richtung Süden, ändert sich das Stadtbild urplötzlich sehr deutlich. Fährt man auf der Höhe von Giesing noch an den langen Häuserreihen von Nokia Siemens Networks vorbei, erscheint die Gegend um Perlach geradezu dörflich. Dabei liegt der Münchner Marienplatz keine zehn Kilometer entfernt. Franz Josef Himpsl holt die Gäste höchstpersönlich mit einem alten roten Renault am Bahnhof ab. Das übrigens hat den praktischen Grund, dass man dessen Zuhause auch findet. Denn, so Himpsl, »das Navi findet das nicht«. Man sieht ihn schon von weitem in heller Leinenhose und kariertem Hemd – und ist sofort per Du, auch wenn man sich vorher noch nie begegnet ist. Im Autoradio hätte man wahrscheinlich irgendeine bayerische Volks­musik erwartet. Und im Autoradio wird irgend­eine bayerische Volksmusik gespielt. Man passiert die Stadtgrenze und biegt von der Bundesstraße jäh nach links ab. Kein Schild, kein Wegweiser, keine Linksabbieger-Spur. Eine private Allee führt ­direkt auf das Wohnhaus der Himpsls zu – eine ehemalige Schnapsbrennerei. Hier also wohnt die Unterbiberger Hofmusik. Nein, hier lebt sie.

Das PDF enthält alle fünf Artikel des Schwerpunktthemas "Integration":

  • 15.10.2012
  • Schwerpunktthema
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 11/2012
  • Seite 32-34

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