Schwerpunktthema: Theinerts Thema: "Wir müssen an den Ursachen arbeiten"

  • 18.11.2014
  • Schwerpunktthema
  • Martin Hommer
  • Ausgabe: 12/2014
  • Seite 32-33

Markus Theinerts Orchester sind bekannt für ihren ausgefeilten Klang. in unserer neuen Reihe »theinerts Thema« spricht der Dirigent dieses Mal über den Unterschied von Klang und Lärm, wozu wir eigent­lich musizieren und wie wir verhindern können, dass wir in der Musik lärmschutz benötigen.

Herr Theinert, das Schwerpunktthema dieser Ausgabe lautet »Schall und Schutz«. Wie können sich Musiker und Dirigenten im Blasorchester gegen Lärm schützen?

Wenn wir uns Gedanken darüber machen, wie sich Dirigenten und Musiker gegen Lärm schützen können, dann haben wir vorher einen wichtigen Punkt übersehen: Musik dient der persönlichen Erbauung und nicht einer gegenseitigen Gesundheitsgefährdung! Ich glaube, wir haben heute das Maß der Lautstärken bereits weit überschritten, die musikalisch noch erlebbar sind, das heißt, die sich noch miteinander mischen können, Bezug aufeinander nehmen und der musikalischen Funk­tion im Tonsatz gerecht werden.

Aber bestimmte Frequenzen, zum Beispiel bei der Pikkoloflöte, können ja an sich schon gefährlich sein, oder nicht?

Vom wissenschaftlichen Standpunkt aus betrachtet ist die Pikkoloflöte gar nicht einmal das Ende der Fahnenstange. Es gibt Untersuchungen, die den Schalldruck aller Orchesterinstrumente gemessen haben. Eine der bekanntesten Langzeitstudien wurde vom National Institute for Occupa­tional Safety and Health (NIOSH) durch­geführt. Diese US-amerikanische Bundesagentur hat Orchesterinstrumente mit ­ihren durchschnittlichen Lautstärken und ihrem Maximalpegel getestet. Und jetzt kommt die große Überraschung: Das lauteste Instrument ist die Basstuba! Gerade hierbei zeigt sich deutlich, wie wenig wissenschaftliche Messmethoden dem tatsächlichen Hörempfinden des Betroffenen gerecht werden. Denn wir hören eher selten Beschwerden über die Tuba. Da werden eher die Trompeten, das Becken, ein Glockenspiel oder eben die angesprochene Pikkoloflöte ins Feld geführt, die durch ihre hohe Frequenz als unangenehm und zum Teil sogar schmerzhaft empfunden werden. Aber genau hier zeigen sich die Grenzen des Arbeitsschutzes, der immer sich zumeist auf messbare Größen bezieht. Und die sind nun tatsächlich nicht maßgeblich für das Empfinden.

Das PDF enthält alle fünf Artikel des Schwerpunktthemas "Schall & Schutz - Edler Lärm und Gesundheit":

« zurück