Schwerpunktthema: Swingen bis ins Finale - Wettbewerbspreise im Jazz

Das Wettbewerbsprinzip spielte in der Jazzwelt schon immer eine wichtige Rolle. Kein Wunder also, dass sich musikalische Preis- und Talent-Konkurrenzen im Jazz großer Beliebtheit erfreuen. Ein Blick in die Geschichte – und drei Beispiele aus der Gegenwart.

Bereits im frühen Jazz in New Orleans war der inoffizielle Titel des »Trumpet King« heiß umkämpft und musste regelmäßig gegen Kontrahenten verteidigt werden. Buddy Bolden, Joe Oliver, Louis Armstrong waren nacheinander die ungekrönten Könige. Auch die Brass Bands der Straßenparaden von New Orleans konkurrierten ständig miteinander.

Bucking Contests: Das Publikum entscheidet, wer gewinnt

Der Sopransaxofonist Sidney Bechet erzählt: »Manchmal gab es, was man damals ›bucking contests‹ [etwa: K.o.-Wettbewerbe] nannte. Eine Band näherte sich von vorne einer anderen und spielte gegen sie an – und die erste Band spielte dagegen, bis schließlich eine von beiden aufgeben musste.

Und zu der, die nicht aufgab, rannten all die Leute hin und spendierten Drinks und Essen und riefen nach Zugaben. Sie wollten mehr, sie hatten noch nicht genug. Es war immer das Publikum, das entschied. Es wurde ständig über dich geurteilt.«

Battles of the Bands und Jamsessions

Später in der Ära der Swing-Paläste gab es »Battles of the Bands« auch als Konzertprogramm. Zwei Jazz-Orchester spielten abwechselnd auf zwei Bühnen um den lautesten Applaus. Viele Jazzclubs besaßen zwei Bandstands, um die Konkurrenz zwischen den Musikern anzufachen.

In jener Zeit verbreiteten sich auch die Jamsessions, bei denen Musiker mehr oder weniger miteinander »um die Wette« spielen. Als der Trompeter Buck Clayton einmal bei einer Jamsession im Sunset Club von Kansas City einstieg, sprach sich das so schnell herum, dass im Lauf des Abends Horden von Trompetern zu ihm auf die Bühne drängten.

»Ich habe nie in meinem Leben so viele Trompeter gesehen«, erzählte Clayton. »Manche kamen sogar aus dem anderen Teil von Kansas City, aus Kansas, weil sie gehört hatten, dass der neue Trompeter aus Los Angeles da sein würde, und sie alle hatten ihre Waffen [Trompeten] dabei. Ihnen stand die Kampfeslust in den ­Augen.«

Die »Battle« zwischen zwei Solisten – meist zwei Trompetern oder zwei Tenorsaxofonisten – wurde in der Tat manchmal so verbissen geführt wie ein Messerkampf. Die weltweit erfolgreiche Konzertreihe »Jazz at the Philharmonic« machte die Jamsession sogar zur Konzertstrategie.

Wer spielt länger, lauter, schneller, höher, raffinierter? Der Wettkampf zwischen den Solisten – er hat sich tief in die Ästhetik und Haltung des Jazz eingegraben.

Das PDF enthält alle fünf Artikel des Schwerpunktthemas "Sinn und Zweck musikalischer Wettbewerbe":

  • 20.08.2015
  • Schwerpunktthema
  • Hans-Jürgen Schaal
  • Ausgabe: 9/2015
  • Seite 44-45

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