Schwerpunktthema: Sprachsensible Probenarbeit - Unterstützungshilfen für nicht muttersprachliche Musiker

  • 17.09.2015
  • Schwerpunktthema
  • Florian Seemann
  • Ausgabe: 10/2015
  • Seite 38-40

Deutschland wird vielfältiger. Die Gesellschaft der Bundesrepublik wird in kultureller und sprachlicher Hinsicht heterogener. Mittlerweile besitzt etwa jeder Fünfte in Deutschland einen Migrationshintergrund, der durch verschiedene Zuwanderungsgeschichten charakterisiert werden kann.

Als Zuwanderer der ersten Generation bezeichnet man Menschen, die selbst nach Deutschland immigriert sind. Bei Zuwanderern der zweiten Generation handelt es sich um Menschen, die in Deutschland geboren sind, deren Eltern jedoch nach Deutschland eingewandert sind. Oftmals ist mit dem Migrationshintergrund auch eine Sprachbiografie verbunden, bei der Deutsch nicht als Erst- bzw. Muttersprache gelernt wurde.

Migranten als Ressource für deutsche Blasorchester

Eine Migrantengruppe bilden etwa diejenigen, die in ihren jeweiligen Herkunftsländern ein Instrument erlernt haben und beispielsweise aus beruflichen Gründen nach Deutschland eingewandert sind. Diese Musiker stellen – auch unter Berücksichtigung der demografischen Entwicklung – eine große Ressource für die deutschen Blasorchester dar.

Zudem leisten deutsche Musikvereine durch die Aufnahme dieser Musiker einen wichtigen Beitrag zur Integration. Diese Gruppe von Musikern steht im Fokus dieses Artikels. An dieser Stelle ist es aber auch bedeutsam zu erwähnen, dass sich hiesige Musikvereine aus den gleichen Gründen noch mehr für Menschen mit Migrationshintergrund (unabhängig von Zuwanderergeneration oder Herkunftsland) öffnen sollten.

Wesentlich für diesen Artikel ist zudem, dass es sich bei der Zielgruppe der nachfolgenden Überlegungen und Praxisbeispiele um Musiker handelt, die Deutsch nicht als Muttersprache haben. Sie haben folglich keine deutsche Herkunftssprache und werden aus Gründen der besseren Lesbarkeit im Folgenden Musiker ndH (nicht deutscher Herkunftssprache) genannt. In diesem Artikel werden unter Berücksichtigung sprachwissenschaftlicher sowie (fremd-)sprachdidaktischer Perspektiven Aspekte beleuchtet, die sich auf den Kontext Sprache beziehen.

Neben wissenschaftlichen Erkenntnissen und Überlegungen fußt der Artikel darüber hinaus auf eigenen Erfahrungen des Verfassers. Vorangestellt werden muss an diesem Punkt noch die Bemerkung, dass immer im Einzelfall und unter Berücksichtigung der individuellen sprachlichen Fähigkeiten von Musikern ndH entschieden werden muss, welche im Verlaufe des Textes genannten Aspekte für die konkrete Probenarbeit relevant sind.

Sprache(n) lernen

Wer eine Sprache nicht als Erst- bzw. Muttersprache lernt, lernt sie als Zweit- oder Fremdsprache. Vereinfacht lässt sich vom Erwerb des Deutschen als Zweitsprache (DaZ) sprechen, wenn man die Sprache im Land der Zielsprache erwirbt (hier Deutschland). Dies geschieht oft ungesteuert, das heißt ohne Unterricht oder Kurs, sondern in Interaktion mit anderen Sprechern.

Deutsch als Fremdsprache (DaF) lernt man im Ausland und mehrheitlich gesteuert, zum Beispiel in der Schule. Sprachlerner verfügen über unterschiedliche sprachliche Fähigkeiten einerseits im produktiven Bereich (Sprechen, Schreiben) und andererseits im rezeptiven Bereich (Lesen, Hör-Verstehen). Sprachkompetenz kann in den unterschiedlichen Bereichen unterschiedlich gut ausgebildet sein.

Für die Probenarbeit sind primär die auf mündlicher Sprache basierenden Fähigkeiten Sprechen und (Hör-)Verstehen von Belang. Eine sprachliche Herausforderung stellen für Sprachenlerner Fachsprachen dar, die sich beispielsweise hinsichtlich des Wortschatzes, aber auch der grammatikalischen Strukturen unterscheiden können.

Musikvermittlung Fachsprache

Vor dem Hintergrund dieses Artikels kann die Sprache im Kontext von Musik und deren Vermittlung (zum Beispiel in der Orchesterprobe) als eine gewisse Fachsprache angesehen werden, deren Besonderheiten es zu lernen gilt. Es ist nicht selten möglich, dass Musiker ndH über eine sehr gute Sprachkompetenz verfügen und mühelos kommunizieren können, sie aber in der Probe aufgrund des fachsprachlichen Charakters der Dirigentensprache Schwierigkeiten haben.

Das PDF enthält alle fünf Artikel des Schwerpunktthemas "Deutschland, deine Musik":

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