Schwerpunktthema: Spiegelneuronenjunkies - Wie Kinder Musik hören

  • 23.08.2012
  • Schwerpunktthema
  • Stefan Dünser
  • Ausgabe: 9/2012
  • Seite 28-29

Musik. Was für ein Wort. Mindestens in diesem Fall kann ein Begriff in keinster Weise den Zauber ausdrücken, der sich in unserem genialen Gehirn abspielt, wenn wir Musik hören oder machen. Unser Oberstübchen ist genau genommen sowieso viel mehr eine »Fühlmaschine« denn eine Denkmaschine. Auf jeden Fall ist unser Körper das In­strument und unser Gehirn macht die Musik, wie Bobby McFerrin sagt. Unser Gehirn scheint aus Klang Bilder und aus guter Musik Geschichten zu machen.

Wir Musiker und Lehrer müssen eines immer in unserem Bewusstsein haben: Un­sere Zuhörer, und insbesondere unsere ­jungen Zuhörer, leben viel mehr in unseren Emotionen, die wir während dem Spielen (und Reden!) rüberbringen, denn in den gespielten Noten und gesprochenen Informationen. C oder cis, höher oder tiefer, Bach oder Beatles, das ist den jungen Empfängern unserer Vorspiele im Letzten nicht so sehr von Bedeutung wie das Wie. Dieses Wie bestimmt ihre Lust, entweder an unseren (Bläser-)Lippen zu hängen oder doch lieber abzuschalten und beim Konzert ihre iPods einzuschalten.

So weit, so gut. Unser Geist hat sich im Laufe der Evolution immer mehr für das inte­ressiert, was zwischen den Tönen oder Zeilen zu finden ist. Eine Überlebenstaktik, um Freund von Feind, ehrlichen Menschen von falschem unterscheiden zu können. Aber wie machen wir das? Ein Kuriosum beschäftigt die Wissenschaft schon seit langem: Wieso ist der Gehörnerv der einzige, der eigentlich höchst umständlich nicht wie die anderen Sinnesnerven auf direktestem Wege ans Gehirn andockt, sondern einen Umweg über den Brustkorb nimmt, das Herz quasi umkreisend? Die Wissenschaftler nennen ihn deshalb auch »den verirrten Nerv«. Wirklich kurios. Kann das bedeuten, dass das Zuhören auch andere Resonanzen aufzunehmen vermag?

Das PDF enthält alle sechs Artikel des Schwerpunktthemas "Alles Kopfsache?":

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