Schwerpunktthema: Musik ist mit Geräusch verbunden - Edler Lärm und die Gesundheit

Beethoven setzte Posaunen erstmals in ­seiner 5. Sinfonie, der »Schicksalssinfonie«, in seinem sinfonischen Schaffen ein. Er selbst nannte diesen Einsatz in einem Brief »edlen Lärm«, ­wissend, dass er mit der Verwendung dieser Instru­mente enorme dramatische ­Akzente ­setzen könne.

Kein anderer menschlicher Sinn wird Tag und Nacht so belastet wie unser Hörsinn. Leider unterscheiden unsere Ohren jedoch nicht »edlen Lärm«, also Musik, von bloßem Krach. Wenn die uns umgebende Laut­stärke eine gewisse Lärmgrenze über längere Zeit übersteigt, sind unsere hoch­sensiblen Hörorgane gefährdet. Sie können mit zunehmender Schwerhörigkeit oder ­einem kaum erträglichen Dauer­rauschen ­reagieren.

Lautstärke als Preis der Technik

Seit der technisch-industriellen Entwicklung sind permanente Lärmangriffe auf ­unser Ohr nahezu unausweichlich. Es gibt sogar Bestrebungen, das Recht auf Stille zum Menschenrecht zu erklären! Aber auch unsere Musik wurde in den vergangenen 150 Jahren mit sehr viel größeren dynamischen Spannweiten ausgestattet, die zwar sowohl für Hörer als auch für Ausführende intensiveren klanglichen und emotionalen Reichtum bedeuten, jedoch auch an die Hör­fähigkeit extreme Anforderungen stellen.

Die Orchester sind größer geworden und die Zahl der Instrumente hat zugenommen. Gustav Mahler, Richard Strauss, Dmitrij Schostakowitsch und viele andere haben, um die sie bewegenden musikalischen Inhalte adäquat ausdrücken zu können, die klanglichen Höranforderungen stetig erweitert. Aber auch in der sinfonischen Blasmusik wurden die künstlerischen Gestaltungsmittel weiterentwickelt. Dabei denke ich nur an den aufwühlenden Satz »Morgenstern« aus dem »Sternenmoor« von Rolf Rudin. Neben der Schulung der Hörleistungen sehen sich heute die aus­füh­ren­den Musiker einer extremen Zu­nahme der innerorchestralen Lautstärke ausgesetzt.

Das PDF enthält alle fünf Artikel des Schwerpunktthemas "Schall & Schutz - Edler Lärm und Gesundheit":

  • 18.11.2014
  • Schwerpunktthema
  • Stefan Fritzen
  • Ausgabe: 12/2014
  • Seite 20-24

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