Schwerpunktthema: Mobbing im Blasorchester?

Ein Blasorchester ist ein Mikrokosmos der Gesellschaft. Hier treffen sich alt und jung, männlich und weiblich, arbeiter und Akademiker. Und da in der Gesellschaft das Thema Mobbing eine Rolle spielt, ist vermutlich auch das Blas­orchester nicht immer eine Insel der Glückseligkeit. Warum gibt es Mobbing im Blas­orchester. »Warum nicht?«, erwidert Mobbing-Experte Gottlob Schmücker.

Charlotte war glücklich. Dass sie so schnell Anschluss finden würde, hatte sie insgeheim natürlich gehofft. Denn der Umzug, bedingt durch die berufliche Veränderung der Mutter, brachte das mit sich, was Umzüge eben so mit sich bringen. Neue Umgebung, neue Schule, neue Freunde. Und vor allem das Aufgeben und Zurück­lassen bekannter Strukturen. Auch das Blasorchester des Ortes, in dem sie seit einigen Jahren die erste Klarinette spielte, ließ Charlotte schweren Herzens hinter sich. Doch dann schien alles gut zu werden: Der neue Wohnort hatte eine Stadtkapelle und der Dirigent war von Charlottes Fähigkeiten angetan, ja geradezu begeistert. Er lobte sie in jeder Probe über den grünen Klee, übergab ihr die Leitung des Klarinettenregisters und fragte sie auch sonst ­häufig um ihre Meinung zur gespielten Musik. Alles schien gut. Doch einige Zeit später hatte Charlotte das Gefühl, dass die Kolleginnen und Kollegen aus dem Klarinettenregister nicht mehr mit ihr sprachen. Sobald sie den Probenraum betrat, schienen alle Ge­spräche zu verstummen. Mitmusiker, die vorher in einer Gruppe ­zusammengestanden hatten, gingen wortlos auseinander, als die Klarinet­tistin dazustieß. Schließlich wurden noch üble Gerüchte verbreitet. Charlotte litt, ging anfangs nur noch ungern zur Probe, schließlich immer seltener. Dann gab sie auf. 

Das PDF enthält alle drei Artikel des Schwerpunktthemas:

  • Mobbing im Blasorchester? (von Klaus Härtel)
  • "Es kann jeden Treffen" - Interview mit Gottlob Schmücker
  • Humor als Waffe - Wie lustig sind Musikerwitze? (von Hans-Jürgen Schaal)

 

 

  • 20.03.2012
  • Schwerpunktthema
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 4/2012
  • Seite 26-28

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