Schwerpunktthema: Mentales Training für Musiker

Bei den Hochspringern im Londoner Olympiastadion hat man es kürzlich wieder ganz deutlich gesehen: Die Athleten vollführen, bevor sie den Versuch unternehmen, die Latte zu überqueren, ihre Bewegungen vorab im Geiste. Mental laufen sie an, mental springen sie ab, mental landen sie. Nun ist Musik ja kein Sport. Mentales Training für Musiker – geht das denn? Warum eigentlich nicht?

Im Sport ist man schon weiter. Wieder einmal. Dort nämlich hat man bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erkannt, dass das Beobachten oder auch schon das bloße Vorstellen von ­Bewegungen die Tendenz zur Ausführung eben dieser Bewegung auslöst. Erkannt hat den ideomotorischen Effekt der englische Physiologe William Benjamin Carpenter (deshalb auch »Carpenter-Effekt«) und in seinen »Principles of Mental Physiology« (1874) veröffentlicht. 

Früh hat man im Sport gemerkt, dass man die Grenze der Physiologie erreicht hat und infolgedessen andere Wege finden muss, um die Leistung zu verbessern bzw. zu optimieren. Nicht von ungefähr sind im (vor allem professionellen) Sport ganze Heerscharen von Psychologen oder Mentalcoaches beschäftigt. Denn trainiert der Sportler seine Bewegungen mental, ist die körperliche Belastung geringer und Fehler sind mitsamt den dazugehörigen negativen Emotionen leichter zu vermeiden. Natürlich reicht auch im Sport ein reines mentales Training nicht aus, um Höchstleistungen zu erzielen. 

Das PDF enthält alle sechs Artikel des Schwerpunktthemas "Alles Kopfsache?":

  • 23.08.2012
  • Schwerpunktthema
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 9/2012
  • Seite 22-26

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