Schwerpunktthema: Lippenbekenntnisse von Profis

  • 18.02.2013
  • Schwerpunktthema
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 3/2013
  • Seite 25-27

Wohl dem Musiker, der noch nie Probleme mit seinen Lippen hatte. Sei es aufgrund sorgfältiger Pflege und Prävention, sei es, »weil ich bekanntlich eh so ne Betonfresse habe«, wie der Saxofonist Thorsten Skringer lachend anmerkt. Fakt ist: Die Lippen sind da – und sie werden gebraucht.

Die Hornistin

Sarah Willis, die Hornistin der Berliner Philharmoniker, erzählt, dass die Lippen beim Hornisten in Aktion sehr stark beansprucht werden. »Sie müssen echt viel aushalten, werden mit etwas Druck – nicht zu viel! – ans Mundstück gepresst und müssen gleichzeitig in feinmotorischen Nuancen ­vi­brieren können. Ein guter Ansatz entsteht aus der perfekten Mischung von Kraft und Feingefühl und ist elementar wichtig für den Klang. Es ist vergleichbar mit Sportlern, schließlich geht es auch hier um ­Muskeln, genauer gesagt um die Gesichts­muskulatur. Einen guten Ansatz aufzubauen dauert lange – verloren geht er dagegen leider sehr schnell. Aber das Horn bleibt trotzdem noch mein Lieblingsinstrument!«

Sarah Willis betont, dass man ja leider immer üben müsse, »auch wenn die Lippen sich nicht wohl fühlen«. Aber natürlich ­sollte man ein bisschen auf den Körper ­hören, meint sie. »Sind die Lippen steif und unbeweglich, etwa nach viel Spielen am Tag zuvor, ist es ratsam, eher Übungen zur Flexibilität der Lippen zu machen. Sind die Lippen ausgeruht und kraftstrotzend, dann nichts wie her mit den Kraftübungen. Ob so oder so, üben sollte man dennoch jeden Tag. Dass die Lippen sich schlecht fühlen, ist keine Ausrede, nicht zu üben!« Trainingshelfer benutzt die Engländerin nicht. »Da gibt’s nur das Horn und mich und viel und vernünftiges Üben.« Manchmal nerve es, aber es gebe »keinen Shortcut – Üben muss sein! Macht auch immer wieder Spaß… oder?«

Das PDF enthält alle sechs Artikel des Schwerpunktthemas "Lippenbekenntnisse - Das belastbare Organ":

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