Schwerpunktthema: Let's do the Time Warp again! Alison Balsom ist immer auf Zeitreise

  • 21.10.2014
  • Schwerpunktthema
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 11/2014
  • Seite 40-42

Vielseitigkeit ist für einen Musiker heutzutage fast Pflichtprogramm. Kann man es sich leisten, auf ein bestimmtes Fachgebiet spezialisiert zu sein? Kaum. Doch negativ muss das nicht sein. Denn über einen bestimmten Komponisten, über ein Genre hinauszublicken, erweitert nicht nur das Repertoire. Das erweitert den Horizont. Den eigenen wie den der Zuhörer.

Alison Balsom zum Beispiel: In deren ­Recital- und Konzertrepertoire mit Werken von Albinoni, Haydn und Hummel bis zu Coplands »Quiet City« und Zimmermanns Konzert »Nobody Knows the Trouble I See« äußert sich die extreme Vielfalt. Im Jahr 2011 brachte die 36-jährige Trompeterin die CD »Seraph« heraus, benannt nach dem ihr gewidmeten Konzert des schottischen Komponisten James MacMillan. Ein Jahr später »reiste« sie weit in die Ver­gangenheit und nahm das Album »Kings & Queens« auf, mit Werken von Händel und Purcell – auf Naturtrompete. In diesem Sommer folgte die Uraufführung des zeitgenössischen Werks »Joie étenelle« von Qigang Chen. Ihr aktuelles Album »Paris« (Warner Classics) überspringt Genre- und Zeitgrenzen gleichermaßen: Mit franzö­sischen Klassikern und Chansons von Satie bis Legrand, von Ravel bis Messiaen musiziert sie über Epochen hinweg.

Let’s do the time warp again! Der Verdacht liegt nahe: Manchmal muss Alison Balsom auf den Kalender schauen, in welcher Zeit sie sich gerade befindet. Richtig? Sie lacht. Die Engländerin spielt schlicht die Musik, die sie mag. Und da ist sie nicht festge-

legt. Vor allem macht sie aus der Not eine Tugend: »Als Trompeterin habe ich leider weniger Repertoire als manch andere So­listen. Aber ich sehe das nicht als Einschränkung. Ich sehe das als Herausforderung und als Chance, anderes Repertoire mit der Trompete zu entdecken.« Sie genießt es schlicht, alle musikalischen Richtungen zu erkunden: Sie liebt die »wunderbare zeitgenössische Musik genauso wie den Jazz«. Und sie vollführt die Zeitreisen im wahrsten Sinne des Wortes spielend. Alt? Neu? Heute komponiert oder vor 200 Jahren? Spielt das überhaupt eine Rolle?

Das PDF enthält alle fünf Artikel des Schwerpunktthemas "Auf Zeitreise - Musizieren über Epochen hinweg"

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