Schwerpunktthema: Konzertdramaturgie - Wie lockt, wie fängt, wie bindet man ein Publikum?

  • 22.05.2012
  • Schwerpunktthema
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 6/2012
  • Seite 24-25

Wenn über die Musik und deren Ansehen in der Gesellschaft diskutiert wird, werden oftmals die Ver­gleiche mit dem Sport bemüht, der es ja viel einfacher habe. Was die Finanzen, den Nachwuchs oder die Berichterstattung in den Medien angeht. In einem aber hat wohl die Musik die Nase vorn: Es besuchen immer noch mehr Menschen Musikveranstaltungen als Fußballspiele. Und das, obwohl es der Sport da ja wirklich einfacher hat. Die Dramaturgie im Sport ergibt sich dadurch, dass man nie weiß,wie es ausgeht (auch wenn Böse Zungen nun behaupten mögen, dass man das bei der Musik auch nie wissen könne). In der Musik – im Amateur- wie im professionellen Bereich – herrscht ein knallharter Verdrängungswettbewerb und es tobt ein Kampf ums Publikum. Es bedarf bewährter und innovativer Rezepte und Ideen, ein Publikum zu locken, zu fangen und zu binden. 

Eine – zugegeben nicht ganz repräsenta­tive – Umfrage unter Dirigenten zum Thema Konzertdramaturgie und Publikum hat zwei bemerkenswerte Äußerungen zutage gefördert. »Ein Orchester bekommt immer das Publikum, das es verdient!« war das eine Statement, »Man sollte das Publikum nicht für blöder halten, als es ist!« das ­andere. Diese beiden Äußerungen haben, wenn man sie sich einmal genauer vornimmt, denselben Kern. Orchester leben auch und vor allem vom Stammpublikum. Besuchern, die immer und immer wieder kommen, dem Orchester die Treue halten, ist es relativ egal, was gespielt wird. Wa­rum das so ist, kann mehrere Gründe haben: Das Orchester spielt auf dermaßen hohem Niveau, dass es tatsächlich egal ist, oder im Orchester sitzt die liebe Verwandtschaft. Wenn dieses Publikum aber seinen Anspruch so weit heruntergeschraubt hat, dass es selbst die leichteste Kost stoisch hinnimmt, wird auch das Orchester womöglich keine hohen Ansprüche mehr haben. Ein Teufelskreis. 

Das PDF enthält alle fünf Artikel des Schwerpunktthemas:

  • Konzertdramaturgie - Wie lockt, wie fängt, wie bindet man ein Publikum? (von Klaus Härtel)
  • Kopf oder Bauch? - Konzertdramaturgie in Blasorchestern (von Stefan Fritzen)
  • Weltreisen und Aha-Effekte - Über klassische Konzertprogramme (von Hans-Jürgen Schaal)
  • Gut gesessen ist halb gewonnen (von Christine Engel)
  • Das Jazzkonzert - Anmerkungen aus der Praxis (von Hans-Jürgen Schaal)

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