Schwerpunktthema: Gute Unterhaltung - Christoph Walter über die Unterschiede von "U" und "E"

Jemandem ein E für ein U vormachen, ist nicht so leicht. Das U - Unterhaltung - hat in manchen Kreisen immer noch einen leicht negativen Beigeschmack. Und das E ist eben die »ernste Musik«, die wirkliche Kunst. »Unterhaltung ist nicht schlechter als Sinfonik«, verteidigt Christoph Walter, der heute als freischaffender Dirigent und Arrangeur tätig ist. Manchmal sei sie sogar wesentlich schwerer zu interpretieren. »Sogenannte E-Musik klingt oft schon gut, wenn ich einfach nur das spiele, was da in den Noten steht. Bei U-Musik muss ich aus den Noten viel mehr herausholen. Es braucht wesentlich mehr, diese zu interpretieren, damit das Publikum Freude daran hat.« Wir sprachen mit dem Schweizer über die Herausforderungen, die das U an Dirigenten stellt.

Clarino: Früher war es in Konzerten so - und bisweilen ist das immer noch so -, dass im ersten Teil »große Literatur« gespielt wurde und im zweiten dann Unterhaltung. Im ersten Teil konnten die Musiker ihre Spielkunst demonstrieren und im zweiten Teil bekam das Publikum, was es hören wollte. Ist dieser Ansatz nicht grundlegend falsch?

Christoph Walter: Ich persönlich finde ­diese Formulierung gefährlich. Es gibt grundsätzlich zwei Arten von Musik – gut oder schlecht gespielte bzw. interpretierte Musik. 

Die Programmzusammenstellung, der Ablauf und die Dramaturgie bilden schlussendlich, neben einer höchst professionellen musikalischen Ausführung, den Erfolg eines Orchesters, eines Konzerts, einer Show. Die »große Literatur« kann sehr unter­haltend, emotional sein, die Unterhaltungsmusik, schlecht gespielt, kann auf die Dauer ermüdend sein. Also, der gute Mix macht es also aus! 

Wichtig ist, dass es »groovt«, dass der Stil stimmt, dass die Musikerinnen und Musiker auf der Bühne Spaß, Freude am Musizieren haben. Erst dann werden die Zuhörer begeistert sein. Was im ersten oder zweiten Konzertteil gespielt wird, ist eigentlich egal. Es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten von Programmationen! Wirklich wichtig ist, das es gelingt, gute Musik zu machen! 

www.christophwalter.ch

Das PDF enthält alle fünf Artikel des Schwerpunktthemas "Der Dirigent - Die Kunst: sprechen ohne zu reden":

  • 20.08.2013
  • Schwerpunktthema
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 9/2013
  • Seite 28-29

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