Schwerpunktthema: Gut gesessen ist halb gewonnen

  • 22.05.2012
  • Schwerpunktthema
  • Christine Engel
  • Ausgabe: 6/2012
  • Seite 32-33

Der Saal ist hell erleuchtet. Gläser klirren, Besteck klappert. »Wer hat das Weizen bestellt«, ruft eine Bedienung im Forte in eine filigrane ­Pianissimo-Stelle. Die Gäste sitzen sich an langen Tischreihen gegenüber und müssen ihren Kopf um 90 Grad drehen, um einen kurzen Blick auf die ­Bühne zu werfen. Manch einer sitzt sogar mit dem Rücken zum Geschehen. 

Das ist nicht die Beschreibung eines bunten Abends mit Musik­umrahmung oder die eines Starkbierfestes eines Musikvereins. Hier spielt sich eine Szene aus einem Jahreskonzert eines Blas­orchesters ab. Ist so eine Konzertbestuhlung noch zeitgemäß?

An einem Jahreskonzert möchte ein Musikverein beziehungsweise ein Amateurblasorchester sein Bestes zeigen. Mehrere Monate arbeiten die Musiker auf das für sie so wichtige Ereignis hin. Am Tag X dann oben beschriebenes Szenario: Beim Konzert wird bewirtet und die ganze Aufmerksamkeit der Zuhörer ist dahin. Warum ­machen Musikvereine das oder machen sie es überhaupt noch? Und was ist überhaupt die ideale Bestuhlung?

Stadthallen, Hotels oder Kultur- und Kongresszentren bieten jede individuelle Bestuhlungsform an. Da gibt es Stuhl- oder Tisch­reihen, Fischgrätbestuhlungen oder Bankette – also mehrere runde Tische. Eine parlamentarische Bestuhlung – horizontale Tisch­reihen – fällt für ein Konzert schon wegen der Wortbedeutung aus.  In offiziellen Stadthallen ist eine Bestuhlungsform bei einem Konzert, sodass bewirtet werden kann, meist nicht vorgesehen. Hier sind in der Regel Stuhlreihen aufgebaut. Tischreihen mit Bewirtung finden sich oft im ländlichen Raum. »Mit Stuhlreihen wäre es zwar ruhiger, wir wollen aber die Bewirtung während des Konzerts beibehalten. Wir als Verein haben dadurch sehr viel Umsatz und unserem Publikum gefällt es und es ist es so gewöhnt«, sagt ein Vor­sitzender einer kleinen Kapelle aus dem südbayerischen Raum.

Das PDF enthält alle fünf Artikel des Schwerpunktthemas:

  • Konzertdramaturgie - Wie lockt, wie fängt, wie bindet man ein Publikum? (von Klaus Härtel)
  • Kopf oder Bauch? - Konzertdramaturgie in Blasorchestern (von Stefan Fritzen)
  • Weltreisen und Aha-Effekte - Über klassische Konzertprogramme (von Hans-Jürgen Schaal)
  • Gut gesessen ist halb gewonnen (von Christine Engel)
  • Das Jazzkonzert - Anmerkungen aus der Praxis (von Hans-Jürgen Schaal)

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