Schwerpunktthema: Gehörgefährdend - Prof. Bernhard Richter im Gespräch

  • 20.03.2013
  • Schwerpunktthema
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 4/2013
  • Seite 32-35

Gehörknöchelchen sind nicht einmal so groß wie ein 1-Cent-Stück. Das soll verdeutlichen, wie filigran unser Mittelohr ist. Und das wichtigste Element des Innenohrs – das cortische Organ – ist gerade mal so groß wie zwei kurze Haare nebeneinander. So verwundert es nicht, dass das Gehör besonders empfindlich ist und vor allem deshalb gefährdet, da es über keinen jederzeit wirksamen Schutz­mechanismus verfügt, wie zum Beispiel das Auge über das Lid.

Ein weiterer negativer Faktor kommt hinzu: Das Innen­ohr kann sich nach einer massiven Schädigung kaum regenerieren, und ge­rade Hörverluste, die durch zu hohe Lärmbelastung verursacht wurden, sind meist irreversibel. Gerade Musiker sind in besonderem Maße für ihr Gehör verantwortlich – ist es doch das wichtigste Kapital für sie. Und häufig bringt es genau das Musizieren mit sich, dass das Gehör zu stark und zu lange belastet wird. Eine wichtige Regel also: Gönnen Sie Ihren Ohren die Ruhepausen, die sie zur Regeneration benötigen, und vermeiden Sie zu hohe Lautstärken. Wir sprachen mit Prof. Dr. Bernhard Richter über den gefährlichen Beruf »Musiker«.

Das PDF enthält alle sechs Artikel des Schwerpunktthemas "Ohrwurm - Hören und gehört werden":

Prof. Bernhard Richter ist Professor für Musikermedizin mit Schwerpunkt künstlerische Stimmbildung am Freiburger Institut für Musikermedizin (FIM). Neben seinem Medizinstudium in Freiburg, Basel und Dublin absolvierte er ab 1986 ein Gesangsstudium an der Staatlichen Hochschule für Musik in Freiburg bei Frau Prof. Beata Heuer-Christen (Konzertexamen 1991). Nach Promotion zum Dr. med. und zwei Facharztausbildungen zum HNO-Arzt und Phoniater (Stimmarzt) habilitierte er sich 2002. Im FIM ist er neben seiner Unterrichtstätigkeit im Bereich Stimmphysiologie und Hören vor allem für die medizinische Betreuung der Musiker, Sänger und sonstigen Stimmpatienten im klinischen Bereich des Zentrums für Musikermedizin zuständig. Seine aktuellen Forschungsschwerpunkte liegen in der Anwendung der Hochgeschwindigkeitsglottographie und der dynamischen Kernspintomographie zur Untersuchung der Registerfunktion bei Sängern, der Stimmentwicklung von Sängern in der Lebenszeitperspektive, im Bereich der Opernbühne als Arbeits­platz sowie dem Gehörschutz bei Orchestermusikern. 

2010 erhielt er den Förderpreis der Forschungsgemeinschaft Deutscher Hörgeräte-Akustiker für seine Arbeiten zum Gehörschutz bei Musikern, Karl-Storz-Preis (2010) und Förderpreis der Medizinischen Fakultät Freiburg für herausragende Lehre (2009). 

Infos: fim.mh-freiburg.de

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