Schwerpunktthema: Fachliteratur versus musikalische Spontaneität

Viele Leser, die noch nicht allzu lange die Musikhochschule verlassen haben, erinnern sich vielleicht noch daran, wie unlustig sie oft die musiktheoretischen oder musikwissenschaftlichen Fächer in ihrer Ausbildung besucht haben. Ich gebe zu, dass auch ich diese Fächer nur mit einem gewissen inneren Widerwillen absolvierte, zumal ich das Glück hatte, eine exzellente Hörschulung, theoretische Unterweisung und musikgeschichtliche Überblicke im Hauptfachunterricht und der Kammermusik vermittelt zu bekommen. 

Die Lernenden befürchteten, durch ein Übermaß an obligatorischen Zusatzangeboten in der Ausbildung nicht genügend Zeit zum Üben zu haben, denn man wollte ja möglichst bald zu Probespielen fahren und wusste, dass man »nach einem kleinen Kiekser schon weggeräumt« würde (Zitat eines Hochschulprofessors). 

Wissen kontra Algorithmus? 

Hat man dann eine Anstellung gefunden, vielleicht sogar in einem Orchester, stellt man bald fest, dass bloßes empirisch-praktizistisches Tun weder einen tieferen Zugang zur Musik noch die dauerhafte Er­haltung spieltechnischer Voraussetzungen beim Spielen eines Instruments garantiert. Und als Dirigent sieht man sich ohnehin vor Anforderungen gestellt, die pro­funde Kenntnisse vor allem der Kunst, der Gesellschaft und der Pädagogik erfordern. In meiner heilpädagogischen Tätigkeit musste ich allerdings leider immer wieder erleben, dass langjährige Orches­ter­musi­ker nicht einmal den Quintenzirkel richtig kannten und keine leitereigenen Tonleitern bzw. Dreiklänge spielen konnten.

Das PDF enthält alle sieben Artikel des Schwerpunktthemas "Blasmusik & Literatur":

  • 16.12.2013
  • Schwerpunktthema
  • Stefan Fritzen
  • Ausgabe: 1/2014
  • Seite 30-33

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