Schwerpunktthema: "Es kann jeden treffen"

Dass Mobbing heutzutage (leider) vorkommt, weiß man vor allem aus Schule und Arbeitsstelle. Doch auch in der Musik gibt es Konflikte, die zu spät oder gar nicht gelöst werden. Selbst das Amateurblas­orchester dürfte davon nicht verschont bleiben. Klaus Härtel sprach mit dem Mediator und Mobbing-Experten Gottlob Schmücker.

CLARINO: Ist »Mobbing« heute – überspitzt formuliert –, ähnlich wie »Burn­out«, eine »Modeerscheinung«? 

Gottlob Schmücker: Modeerscheinung ist ein schönes Wort. Mobbing ist auf jeden Fall nichts Neues. Mobbing kennt man im Bereich der Arbeitswelt seit Mitte der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts. Was in letzter Zeit aber festzustellen ist, ist eine gewisse Inflationierung im Wortgebrauch. Viele fühlen sich sehr schnell gemobbt, was natürlich auf der anderen Seite dann zu ­einer Banalisierung des Problems führt. Denn Mobbing ist ein ernstzunehmendes gesellschaftliches Problem, das für den wirklich von Mobbing Betroffenen in der Regel zum beruflichen Aus und damit zu massiven wirtschaftlichen Konsequenzen führt. 

Was ist eigentlich Mobbing und ab wann kann man überhaupt von Mobbing sprechen?

Das Wort Mobbing ist in die Arbeitswissenschaften durch den schwedischen Wissenschaftler Heinz Leymann eingeführt worden. Mobbing ist eine englische Wortschöpfung und kommt von »to mob«, anpöbeln. Es bezeichnet eine Situation – in der Regel am Arbeitsplatz –, die zum Ausstoß aus dem Arbeitsverhältnis führt und die sich über längere Zeit und systematisch entwickelt. Also kurz gesagt: Wenn der Kollege mich heute nicht grüßt, ist das kein Mobbing. Wenn das aber jeden Tag passiert über Wochen oder Monate, dann ist es etwas Konstantes, dann ist es Mobbing. Der oben zitierte Heinz Leymann sagte: »Eine Unverschämtheit, einmal gesagt,

ist und bleibt eine Unverschämtheit. Wiederholt sie sich täglich, über mehrere Wochen, dann sprechen wir von Mobbing.« Mobbing selbst lebt vom System und von der Langlebigkeit. Beim Mobbing handelt es sich um eine konfliktbelastete Kommunikation am Arbeitsplatz – zwischen Vor­gesetzten und Untergebenen, unter Kollegen, aber auch von unten nach oben. Auch der Vorgesetzte kann Mobbing-Opfer sein. 

Bis zu welchem Zeitpunkt sind Reibe­reien oder Eifersüchteleien in einem Orchester normal und ab wann kann es zum Mobbing führen?

Konflikte gibt es überall, wo Menschen miteinander zu tun haben. Ob das in der Familie ist, am Arbeitsplatz oder eben im Blas­orchester. Konflikte sind menschlich und können, wenn sie gelöst werden, neue Energien freisetzen oder Entwicklungen in eine fortschrittliche Richtung anstoßen. Man muss Konflikte von Mobbing abgrenzen. Im Konflikt geht es in der Regel um eine Auseinandersetzung, um einen ganz konkreten Konfliktstoff. Ich will einen Nachteil oder einen Schaden von mir abwenden oder ich will ein Interesse oder Bedürfnis durchsetzen. Beim Mobbing geht es aber nicht um einen Schaden, der kommuniziert werden könnte. Ein Interessenausgleich wird überhaupt nicht angestrebt. Gesucht wird auch keine gemeinschaftliche Lösung, sondern der eingebildete Gegner muss weg. 

Das PDF enthält alle drei Artikel des Schwerpunktthemas:

  • Mobbing im Blasorchester? (von Klaus Härtel)
  • "Es kann jeden Treffen" - Interview mit Gottlob Schmücker
  • Humor als Waffe - Wie lustig sind Musikerwitze? (von Hans-Jürgen Schaal)
  • 20.03.2012
  • Schwerpunktthema
  • Ausgabe: 4/2012
  • Seite 29-31

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