Schwerpunktthema: Ein Thema für Musiker? Die Angst, der Alkohol und die Sucht

  • 19.08.2014
  • Schwerpunktthema
  • Claudia Spahn
  • Ausgabe: 9/2014
  • Seite 33-35

Über die Frage, wie die Einnahme von ­Alkohol und Medikamenten zu bewerten ist, an ­welchem Punkt ein übermäßiger oder gar missbräuchlicher Konsum anfängt, herrschen unter Musikern und auch sonst ganz unterschiedliche Meinungen. Gleichwohl ist unbestritten, dass Alkohol und auch ­Medi­kamente auch für Musiker ein Thema ist.

Grundsätzlich ist zu unterscheiden, ob – wie häufig bei professionell tätigen Musikern – Alkohol oder Medikamente zur Bewältigung von Stressfaktoren wie zum Beispiel Auf­trittsangst eingenommen werden oder ob das gemeinsame Trinken von Alkohol Teil des sozialen Zusammenseins ist. Natürlich können beide Szenarien ineinanderfließen. Gerade Blasmusikvereine wie auch Gesangsvereine stehen traditionell in dem Ruf, dass das gemeinsame Trinken eine ­wesentliche Attraktion des gemein­samen Musizierens sei.

Alkoholkonsum – ab wann wird er problematisch?

Tatsächlich liegen hierzu und auch zu ­Alkoholkonsum im professionellen Bereich keine aktuellen und verlässlichen epidemiologischen Zahlen vor. Wie häufig Sub­stanzmissbrauch, das heißt Alkohol- oder Me­dikamentenabhängigkeit, bei Berufsmusikern wirklich ist, ist schwer zu erfassen. Dies liegt unter anderem daran, dass Angaben wegen mangelnder Offenheit der Befragten oder Verleugnung schwer zu erheben sind. Dies zeigte sich auch in der jüngsten Befragung bei Musikern deutscher Profiorchester (Gembris & Heye: Älter­ werden im Orchester, 2012). Dass das Problem Substanz­abhängigkeit relevant ist, zeigt eindrucksvoll das Beispiel eines Musikers der Berliner Philharmoniker, der im Film »Trip to Asia« offen über seine Erfahrungen mit der Einnahme von Alkohol berichtet. Jeder Musiker mit ähnlichen Erfahrungen kann also sicher sein, dass er nicht der einzige ist. In der Frage, wie die Menge des konsumierten Alkohols zu bewerten ist, herrschen zuweilen extrem unterschiedliche Wahrnehmungen: von der moralischen Verteufelung generell bis hin zur völligen Verharmlosung. Auch Ärzte sind hier nicht immer der gleichen Meinung, sodass es für Mu­siker nicht leicht ist, sich zu orientieren. Wann ist der Konsum von Alkohol also als problematisch einzuschätzen?

Das PDF enthält alle fünf Artikel des Schwerpunktthemas "Sucht - Ein Thema für Musiker?":

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