Schwerpunktthema: Drei Metallblasinstrumentenmacherinnen erzählen

Wie in vielen anderen Handwerksberufen hatten Frauen auch im Metallblasinstrumentenbau lange Zeit nichts verloren. 1978 legte die erste Frau in Deutschland eine Prüfung zur Metallblasinstrumentenmachermeisterin ab. Mittlerweile interessieren sich jedoch immer mehr junge Frauen für eine Ausbildung in diesem Bereich.

Männerdomäne Metallblasinstrumentenbau

Einer aktuellen Studie des Sophie-Drinker-Instituts zufolge ist das Interesse für den Beruf vor allem in den letzten 15 Jahren stetig gewachsen. Trotzdem machen Frauen bis heute einen eher geringen Anteil der Beschäftigten im Metallblasinstrumentenbau aus. Daher ist es für Bläserinnen und Bläser immer noch etwas Besonderes, auf eine Frau hinter der Werkbank zu treffen.

Linea I. trägt dicke Ohrenschützer und nicht mehr ganz weiße Arbeitshandschuhe. Ihre dunkle Jeans ist fleckig, das T-Shirt mit kleinen Löchern übersät. Der Geruch von Staub, Metall und Polierpaste hängt in der Luft. Helles Neonlicht verleiht den schweren Maschinen ein erhabenes Äußeres, tiefe Decken lassen diese überdimensional groß erscheinen. Das wummernde Getöse der Poliermaschine erfüllt den Raum.

Mit erhobener Stimme versucht Linea I. dennoch, verschiedene Arbeitsvorgänge zu erläutern. Immer wieder hält sie das Schallstück einer Posaune prüfend gegen das Licht: »Es kommt vor allem auf Sorgfalt und Genauigkeit an.« Schließlich spiele am Ende nicht nur die Klangqualität, sondern auch die Optik des Instruments eine große Rolle.

Mit Leidenschaft bei der Sache

Die 21-Jährige steht kurz vor dem Abschluss ihrer Ausbildung zur Metallblasinstrumentenmacherin. Seit fast drei Jahren beweist sie jeden Tag aufs Neue ihr handwerkliches Geschick. Arbeiten wie das Ausbeulen eines Schallbechers, das Einschleifen von Ventilen oder das Schmieden von Stützen sind für sie längst Routine geworden.

Eine richtige Leidenschaft hingegen hat sie in den letzten zweieinhalb Jahren für den Neubau der Instrumente entwickelt. Behutsam befreit sie eine Trompete aus ihrem gepolsterten Koffer. »Erst am Ende wird mir wieder so richtig bewusst, dass ich das ganze Instrument selbst gebaut habe.«

Gelassen bewegt sich die junge Frau durch die Werkstatt. Zwischen Poliermaschine, Drehbank und Bleiküche widmet sie sich voller Eifer ihren Aufgaben. Von Metallblasinstrumentenmacherinnen höheren Alters weiß sie aber auch, dass es ihr früher vermutlich deutlich schwerer gefallen wäre, in diesem Handwerk Fuß zu fassen.

Tatsächlich wurde das Handwerk viele hundert Jahre lang ausschließlich von Männern ausgeübt. Anders als im Geigen- oder Klavie­bau tauchen im Metallblasinstrumentenbau nach heutigem Kenntnisstand erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts handwerklich tätige Frauen auf. Nachdem die Meister lange Zeit unter sich gewesen waren, wurde es den Frauen nicht besonders leicht gemacht, hier ihren Platz zu finden.

Das PDF enthält alle sechs Artikel des Schwerpunktthemas "Das Instrument - Mehr als ein Tonerzeuger":

  • 31.03.2016
  • Schwerpunktthema
  • Johanna Imm
  • Ausgabe: 4/2016
  • Seite 28-30

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