Schwerpunktthema: Digitale Herausforderungen - Jakob von Wolff im Gespräch

  • 18.02.2016
  • Schwerpunktthema
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 3/2016
  • Seite 32-34

»Strategien für Hersteller in der digitalen Welt« lautet ein Thema, dem sich im Herbst vergangenen Jahres die Mitglieder des Bundesverbandes der deutschen Musikinstrumenten-Hersteller (BDMH) widmeten. Dazu hielt Jakob von Wolff, der zwölf Jahre in der Musikinstrumentenbranche tätig war, einen Vortrag, in dem er am Beispiel der Gmundner Keramik, für die er seit nunmehr drei Jahren verantwortlich zeichnet, Parallelen zur Musikinstrumentenbranche aufzeigte.

Er rief auf, sich den Zeichen der Zeit zu stellen, denn die allgemeine Digitalisierung lasse sich weder zurückdrehen noch aufhalten, werde im Gegenteil weiter voranschreiten. Wir haben noch einmal nachgehakt.

»Früher war alles besser« oder »Das haben wir schon immer so gemacht«. Würden Sie zustimmen, dass solche Aussagen noch nie »falscher« waren als heute in der digitalen Welt?

Diese Sätze sind generell nicht richtig. Natürlich bringt eine Digitalisierung eine gewisse Geschwindigkeit mit sich und diese Geschwindigkeit hat sich in den letzten Jahren erhöht. Wegen der Globalisierung, wegen verändertem Verbrauchsverhalten, wegen besserer Erziehung und Ausbildung der ganzen Gesellschaft.

Ich kann es nicht genau beurteilen, da ich die Welt vor der digitalen Welt nicht richtig kenne. Wir leben aber in einer Zeit, die es – zumindest in dem Bereich, in dem ich tätig bin –, bisher immer notwendig gemacht hat, die Dinge zu verändern, anzupassen, neu zu überlegen, um den Erfolg zu sichern.

In meinem jetzigen Betätigungsfeld rückt das Digitale tatsächlich in den Vordergrund für ein so analoges Produkt wie den Teller. Bei uns entsteht mittlerweile eine Situation, in der wir uns als Tellerproduzent im Wesentlichen um eine digitale Entwicklung kümmern.

Wie hat sich das Konsumentenverhalten im digitalen Zeitalter ver­ändert?

Das hat sich relevant verändert. Das Entscheidende ist: Der Konsument ist wesentlich besser informiert als früher. Das heißt, er ist wesentlich eigenständiger und unabhängiger in seiner Meinungsfindung. Früher konnte ein Elternteil sagen, welches Geschirr gekauft werden soll. Heute hat der Kunde die ganze Welt offen und bildet sich ganz unabhängig seine Meinung.

Er konsumiert unvoreingenommen und selbstständig. Außerdem ist er einen ganz anderen Servicelevel gewohnt, seit er digital unterwegs ist. Das Internet hat die Logistikabläufe völlig verändert. Der Kunde möchte gut beraten werden, er möchte die Ware in großer Auswahl haben, er möchte schnell und zum besten Preis bedient werden. Diese Kette hat sich mit der Digitalisierung enorm entwickelt.

Jakob von Wolff

absolvierte ein Betriebswirtschaftsstudium an der University of Nottingham Business School (UK) und der Jesuitenuniversität Universidad Pontificia Comillas Madrid (Spanien). 1999 wurde er Beteiligungsberater bei dem mittelständischen Beteiligungsfond TA Triumph-Adler AG. Von 2000 bis 2010 war er Geschäftsführer und Gesellschafter der B&S GmbH in Markneukirchen. Seit 2012 ist er Partner bei der American Way Marketing GmbH in Elkhart, Indiana (USA, Vertrieb von Blasinstrumentenzubehör). Seit 2012 Geschäftsführer und Gesellschafter der Gmundner Keramik Manufaktur GmbH in Österreich.

Das PDF enthält alle sechs Artikel des Schwerpunktthemas "Chance und Risiko - Musik im digitalen Zeitalter":

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