Schwerpunktthema: Die Deutsche Einheit (Theinerts Thema)

  • 17.09.2015
  • Schwerpunktthema
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 10/2015
  • Seite 28-29

»Ein leidenschaftliches Thema« sei das Thema Deutsche Einheit, erklärt Markus Theinert. Sehr gerne und emotional spricht er darüber. Aber auch nachdenklich und mahnend.

Herr Theinert, wissen Sie noch, wo Sie am Tag des Mauerfalls waren?

Ja, das weiß ich sehr genau: Ich war zunächst zu Hause und habe die Nachrichten geschaut. Ich bin dann, als die Öffnung der Grenzen bekanntgegeben wurde, mit ein paar Kollegen direkt an die Mauer gefahren. Wir haben dort spontan ein kleines Konzert gegeben. Deshalb ist mir das natürlich in Erinnerung geblieben.

Die Grenzöffnung war eine unglaubliche Überraschung für uns alle. Dieses Gefühl, auf einmal die lang ersehnte Reisefreiheit in beide Teile Deutschlands tatsächlich miterleben zu können, war unbeschreiblich. Man hat das in den ersten Stunden zunächst gar nicht wahrhaben können. Als West-Berliner wollte man dann natürlich dabei sein.

Wir haben nicht darüber nachgedacht, wie man dort hinkommt, ob die halbe Stadt unterwegs ist, wie die Volkspolizisten wohl reagieren würden. Diese vollkommen unvorhersehbare Situation gepaart mit einem unsagbaren Glücksgefühl war schon überwältigend.

Wie haben die Leute auf Sie reagiert?

Fremde Menschen lagen sich in den Armen. Alle begrüßten sich sehr herzlich. Und Musik ist natürlich immer etwas, das die Leute zusammenbringen kann, wenngleich die Klänge der Blechbläser im tosenden Jubel der Menge auch teilweise untergingen. Einige hatten sich in ihrem Übermut auch auf die Mauer geschwungen. Wir hatten jedenfalls eine wunderbare Konzert-Atmosphäre.

Und es war ein Konzert, das zwar kostenlos, aber nicht umsonst war, oder?

Genau. Und es gab zwischen uns auch keine Diskussion darüber, ob wir ordentlich vorbereitet waren. Das war einfach eine spontane Aktion des »Nicht-anders-Könnens«. Man kann nicht immer alles vorausplanen.

Lassen Sie uns einmal auf die vergangenen 25 Jahre zurückblicken. Helmut Kohl hat damals »blühende Landschaften« versprochen. Musikalisch gesehen – hat er Recht behalten?

Das ist sicher ein sehr zwiespältiges Feld. Die Erwartungen waren natürlich riesengroß. Die östlichen Bundesländer hatten einen für uns »Wessis« kaum bekannten Reichtum an Musik. Die Orchesterlandschaft alleine war zumindest quantitativ überwältigend. Selbst kleinere Städte hatten ihre eigenen Orchester oder gar Opernhäuser.

Das PDF enthält alle fünf Artikel des Schwerpunktthemas "Deutschland, deine Musik":

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