Schwerpunktthema: Der Neue Deutsche Jazzpreis in Mannheim

Zum elften Mal konkurrierten drei Jazzbands live um den Neuen Deutschen Jazzpreis. Seit 2006 wird dieser Preis von der IG Jazz Rhein-Neckar e.V. vergeben – regionale Kultursponsoren machen es möglich. In diesem Jahr waren das die L-Bank (die Staatsbank für Baden-Württemberg), die Mannheimer Werbeagentur Signum Communication und das Kulturamt der Stadt Mannheim. Austragungsort der finalen Jazz-Konkurrenz ist traditionell die Alte Feuerwache in Mannheim-Neckarstadt. Dort fiel wie immer die letzte Entscheidung – durch das Publikum.

Kurator Jacky Terrasson

Man musste es fast erwarten: Der Kurator stahl allen anderen die Schau und die Show. Jacky Terrasson, der gutgelaunte Starpianist mit amerikanischen und französischen Wurzeln, sorgte am ersten Abend in Mannheim für zwei kleine Sternstunden des Jazz. Mit seinen großartigen Partnern Thomas Bramerie (Bass) und Lukmil Perez (Drums) präsentierte er eine umfangreiche Klaviertrio-Suite, in deren Verlauf verschiedene Jazzstandards verarbeitet wurden (»My Funny Valentine«, »Caravan«, »Take Five« u. a.), aber auch Popsongs anklangen (zum Beispiel Michael Jacksons »Beat It«).

Mit reichlich Virtuosität, Esprit und Spaß führte das Trio durch gefühlte 500 Stil- und Spielarten zwischen Swing, Cool und Funk. Das Ganze war merklich vorarrangiert und raffiniert auf Pointe und Effekt abgestellt – dennoch blieb die Faszination bis zum allerletzten Takt bestehen. Jacky Terrasson bewies in Mannheim einmal mehr, dass er ein Zauberkünstler und Tausendsassa an den Tasten ist und die ganze Jazzgeschichte in seinen improvisierenden Fingern hat. Gäbe es ein Guinness-Buch der Jazzrekorde, bekäme das Trio auf jeden Fall einen Eintrag für die trancehafteste Version von »Take Five«.

Die Auswahl der Finalbands

Das Konzert des Kurators ist in Mannheim obligatorisch. Doch noch mehr gefordert als beim Konzert war Jacky Terrasson bei der Auswahl der Finalbands des Preiswettbewerbs. Das läuft so: Alle deutschen Jazzbands (die Mitglieder müssen mehrheitlich in Deutschland wohnen) können sich mit drei Stücken einer CD oder mit drei MP3-Files bewerben.

Erfahrungsgemäß treffen jedes Jahr rund 200 Bewerbungen ein. Eine Jury der IG Jazz Rhein-Neckar e.V. trifft daraus eine Vorauswahl der Besten – dieses Jahr waren das 15 Bands. Deren Bewerbungen gehen an den Kurator, einen jährlich neu zu bestimmenden, international renommierten Jazzmusiker.

Humorvoll erzählte Jacky Terrasson am zweiten Abend, dass er seine Aufgabe, die Zahl der ausgewählten Bands von 15 auf drei zu reduzieren, erheblich unterschätzt habe. Am Ende geriet er in Zeitdruck und hat Tag und Nacht die eingereichten Stücke wieder und wieder geprüft, um zu einer Entscheidung zu gelangen. Er war um seinen Job wahrlich nicht zu beneiden. Das Niveau des deutschen Jazz ist hoch.

Das PDF enthält alle sieben Artikel des Schwerpunktthemas "100 Jahre Jazz - Musik, Instrumente, Improvisation":

  • 21.04.2016
  • Schwerpunktthema
  • Hans-Jürgen Schaal
  • Seite 44-46

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