Schwerpunktthema: Der Dirigent - Sprechen ohne zu reden

  • 20.08.2013
  • Schwerpunktthema
  • Stefan Fritzen
  • Ausgabe: 9/2013
  • Seite 22-27

So wie jeder Instrumentalist sein musikalisches Wollen in differenzierte, nur durch Übung zu erlernende Bewegungen umzusetzen gezwungen ist, muss auch ein Dirigent über enorme handwerkliche Fähigkeiten und Fertigkeiten bei der Führung eines Orchesters verfügen. Diese sind im Gegensatz zur verstehenden Musikalität weitgehend erlernbar und bedürfen genauso intensiver feinmotorischer Be­wegungs­übungen wie das Instrumentalspiel. 

Das Handicap des Dirigenten bleibt jedoch immer, dass komplexe musikalische Sinnzusammenhänge nur sehr unvollkommen in ­gestische Bewegungen umgesetzt werden können, wenn er sich nicht, wie Loriot bei den Berliner Philharmonikern, zum Spaß­macher für Musiker und Publikum machen will. Hinzu kommt, dass der Dirigent über das bloße strukturierende Taktieren hinaus bei allen Ausführenden eine geistige Spannung erzeugen muss, die das Werk in größtmöglicher Verdichtung zum Klingen bringt. 

Körperhaltung und Bewegungsraum - Sehen und Gesehen werden

Tritt ein Dirigent auf das Podium, muss seine Haltung Sicherheit und Gelöstheit ausstrahlen und sich seine Souveränität auf die Musiker übertragen. Die ideale Körperhaltung ist die Wirbelsäulenstreckhaltung. Dabei steht der Dirigent elastisch auf beiden leicht gespreizten Beinen, Kopf und Oberkörper bleiben aufgerichtet und der Schwerpunkt des Körpers liegt in seiner Längsachse. Eine läs­sige Dauerstellung auf einem Standbein ist unvorteilhaft, da diese Grundhaltung auch den ungehinderten Gebrauch beider Arme ­erschwert und über einen längeren Zeitraum beim Dirigieren zu ­erheblichen Verspannungen und Schmerzen im Bereich der Hals- und Brustwirbelsäule führt.

Das PDF enthält alle fünf Artikel des Schwerpunktthemas "Der Dirigent - Die Kunst: sprechen ohne zu reden":

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