Schwerpunktthema: Der Dirigent – Klangbewusstsein und Klangregie

  • 22.04.2015
  • Schwerpunktthema
  • Stefan Fritzen
  • Ausgabe: 5/2015
  • Seite 26-30

In unserem heutigen Thema über die Aufgaben eines Dirigenten sollen einmal nicht die spezifischen Tätigkeitsmerkmale wie Schlagbild, Führung oder Schwingungsweiten angesprochen, sondern Parameter aufgezeigt werden, die zwar vom Dirigenten beeinflusst werden können, jedoch nur bedingt durch das unmittelbare Dirigat zu gestalten sind.

Im Bemühen um die Erarbeitung eines eigenen, unverwechselbaren Klanges sind Fragen und Probleme der Sitzordnung eines Orchesters sehr wichtig, da die Aufstellung der Instrumentalregister und klangliche Vorlieben beziehungsweise Defizite der Musiker und des Dirigenten entscheidend für die Gesamtdurchhörbarkeit des musizierenden Ensembles sein können.

Mit einem kleinen Beispiel möchte ich meine Ansicht zur Sitzordnung verdeutlichen. Anlässlich einer Jurorenfortbildung wurde ein Dozent verpflichtet, über Fragen der Klangverbesserung durch die Sitzordnung zu sprechen. Mit großer Geste »fuhrwerkte« er in einem Schülerorchester herum, zog die Oboe hierher, verbannte andere Instrumente in irgendwelche Randpositionen und brachte erst einmal den gesamten Orchesterklang durcheinander, ohne erkennbare Verbesserungen im Klang zu erzielen. Suggestiv insistierte er die Anwesenden, dass doch der Klang jetzt anders sei und das Orchester dadurch viel besser klänge. Mein Einwand, dass das Orchester jetzt intransparent und lediglich nur ein Instrument willkürlich herausgehoben worden sei und man immer erst nach den klanglichen Ursachen der Defizite bei den Ausführenden fragen müsse, bevor man mittelmäßig spielende Musiker durcheinander wirbele, ließ er nicht gelten. Ebenso sahen sich einige Lehrgangsteilnehmer etwas ratlos an, da sie vom Effekt der Maßnahmen auch nicht so recht überzeugt werden konnten; andere waren jedoch begeistert, dass man bereits mit so einfachen »Rezepturen« scheinbar die »Höhen der Kultur erstürmen« könne.

Bevor der Dirigent sein Orchester durch willkürliche Veränderung einer bereits festgelegten Sitzordnung völlig orientierungslos macht, muss er alles tun, um tragfähige Klangqualität der Musiker zu erreichen. Dieser Klang muss flexibel genug sein, um in unterschiedliche Säle bei wechselnden akustischen Voraussetzungen integriert zu werden.

Wo kommen wir her?

Dabei sollte man zunächst auf die Wurzeln unserer konzertanten Blasmusik eingehen. Diese liegen in der allgemeinen Orchesterentwicklung Deutschlands und Europas begründet. Spätestens seit Stamitz wird das orchestrale Musizieren durch große dynamische Spannweiten und intensiven Ausdruck geprägt. Stilistische Vielfalt, heute bis hin zur Bigband, gehört zu den Gestaltungscharakteristika klassisch ausgebildeter Musiker, an denen ständig gefeilt werden muss.

Das PDF enthält alle sechs Artikel des Schwerpunktthemas "Der Dirigent – Von Partitur und Sitzordnung":

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