Schwerpunktthema: Das perfekte Instrument? - Kann man musikalische Qualität messen?

Immer mehr Instrumentenbauer verlassen sich nicht nur auf ihr jahrelang erworbenes handwerkliches Geschick, sondern wollen dies auch von der Wissenschaft bewertet und bestätigt wissen. Was aber steckt genau dahinter? Wie objektiv ist die musikalische Qualität messbar?

Hin und wieder erreichen die Redaktion Pressemitteilungen, die suggerieren, der Verfasser habe vielleicht nicht das Rad neu erfunden, aber doch immerhin das perfekte Instrument. »Das perfekte Instrument gibt es nicht«, entgegnet der Wiener Universitätsprofessor Gregor Widholm, »denn für jeden Musiker ist ein anderes Instrument perfekt.« Und doch sei musikalische Qualität messbar, meint der Wissenschaftler. Schließlich vermisst er Musikinstrumente dahingehend. Kürzlich ging eine Pressemitteilung der Firma Amrein aus Lübeck ein. Wir sprachen daraufhin mit Professor Gregor Widholm, um zu erfahren, was dahintersteckt.

Herr Professor Widholm, was verbirgt sich hinter dem Institut für Wiener Klangstil?

Ein an einer Musikuniversität beheimatetes Forschungsinstitut für »Musikalische Akustik«, das in den Bereichen Physik, Mathematik, Neurophysiologie und Performance Science tätig ist. Anders ausgedrückt: Wir befassen uns mit dem Zusammenspiel von Musiker und Instrument, also mit fast allen Aspekten des professionellen Musizierens. Das Institut besteht in dieser Form seit 1980. Damals wurde ich beauftragt, im Rahmen einer nur auf dem Papier bestehenden, leeren Institutshülse namens »Wiener Klangstil« ein Forschungsinstitut aufzubauen, das dem damals in Wien darniederliegenden Blasinstrumentenbau Hilfestellung und Unterstützung beim Bau der typischen »Wiener Instrumente« (Wiener Horn, Wiener Oboe und Wiener Trompete) geben sollte.

Sie erforschen und beurteilen die »musikalische Qualität von Musikinstrumenten« – wie gehen Sie vor?

Das hängt vom Instrument ab: Bei Blasinstrumenten kann man mit einer international üblichen »Impedanz-Messung« rund 95 Prozent der akustischen Eigenschaften des Instruments sehr schnell erfassen und Aussagen über die vom Instrument angebotene Intonation, die Ansprache und den Klang treffen. Für die restlichen 5 Prozent, zum Beispiel, bei welchen Frequenzen und an welchen Stellen unerwünschte parasitäre Wandschwingungen auftreten, müssen aufwendigere laseroptische Messungen eingesetzt werden, wie zum Beispiel eine ESPI-Messung (Electronic Speckle Interfereometry) oder Ähnliches. Bei Streich- und Zupfinstrumenten gilt eine Admittanz-Messung oder alternativ eine Transferfunktionsmessung als Standard. Diese Messmethoden liefern allerdings nur Daten darüber, wieviel Energie bei jeder Frequenz vom Instrument abgestrahlt wird – sozusagen den klanglichen »Fingerprint« des Instruments.

Das PDF enthält alle sieben Artikel des Schwerpunktthemas "Das Instrument - Spiegel der Seele":

  • 18.03.2015
  • Schwerpunktthema
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 4/2015
  • Seite 39-41

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