Schwerpunktthema: Berufsfelder in der Musik - Lohnt sich ein Musikstudium?

Vor allem aus dem Munde wohlbestallter Orchestermusiker hört man immer wieder die warnende Mahnung, doch nicht Musik zu studieren, da man sowieso keine feste Orchesterstelle mehr bekäme. Die Theater und Orchester seien einem staatlichen Schrumpfungsprozess ausgeliefert, und zusätzlich überschwemmten »Ausländer« unseren Musikmarkt. Ganz Europa und der Rest der Welt strebten nach Deutschland und die »eigenen Leute« bekämen kaum noch feste Stellen. Außerdem sei die klassische Kunst und Musik ohnehin ein auslaufendes Modell, das kaum noch auf Interesse stieße, und die paar alten Leute, die noch ins Konzert gingen, stürben ohnehin bald weg!?

Ehrlicherweise muss man zugeben, dass diese Fatalisten nicht ganz unrecht haben, wenn man die derzeitige Situation in der bundesdeutschen Bildung und die unserer Theaterlandschaft betrachtet. Allerorten umgeben uns kraftlähmende Existenzangst und Kleinmütigkeit. In den Printmedien liest man ja noch ab und zu eine Besprechung eines Musikereignisses, jedoch umfasst die Rezension eines Konzerts zum Beispiel von Anne Sophie Mutter im Regelfall nur einen Bruchteil der Berichterstattung über ein Sportereignis.

Früh krümmt sich, was ein Häkchen werden will!

Der Kunst- und Musikunterricht an unseren Schulen ist so beklagenswert und wir bleiben unseren Kindern so viel an Kulturbildung schuldig, dass man ihnen gar keinen Vorwurf machen kann, wenn sie kaum noch Interesse für wirkliche Kunst und ihre Tradition aufbringen. Auch in den politischen Verlautbarungen unserer Parteien oder Regierenden kommt Kultur und Bildung, wenn überhaupt, auch nur ganz hinten in den Programmen vor. Unserem bundesdeutschen Gleichheitswahn ist nur die »gerechte Verteilung« dessen wichtig, was nicht primär an Talent und Interesse geknüpft ist. Und »elitäre« Kunst gehört ganz sicher nicht zu den vordringlichen Fördermaßnahmen unserer Politiker, denen ihre Wiederwahl vorrangig am Herzen liegt.

Was ist wichtig?

Während unsere gesellschaftlichen Aufgaben gegenwärtig darin bestünden, Millionen von Menschen in unsere Gesellschaft zu integrieren (Integration ist soziologisch die Verbindung einer Vielheit von einzelnen Personen oder Gruppen zu einer gesellschaftlichen und kulturellen Einheit!), haben beispielsweise die Jusos auf Parteitagen nichts anderes zu tun, als »Sonderrechte für Transsexuelle, Trans*Gender oder Polygender« und ähnlichen Unsinn zu verlangen.

Auch Alltagssprache kann Kunst sein

Anstatt über die Forderung von Frau Bundeskanzlerin Merkel nach einer Strafverfolgung von Herrn Böhmermann wegen dessen unsäglichen Gedichts zu debattieren (Presse- und Meinungsfreiheit sollten in der Demokratie immer heilige Güter sein und bleiben!), kommt in den Medien kein wirklicher Germanist zu Wort, um dieses »Gedicht« auf Erdogan einmal literaturwissenschaftlich zu analysieren und darauf hinzuweisen, dass solche primitiven Reimereien allenfalls in die Kategorie kindlicher Schmierereien an Häuserwänden gehören. Sind wir geistig wirklich so tief gesunken, um solches dem Publikum anbieten zu müssen glauben?

»Den Schweinen ist alles Schwein!«

Man lese einmal die Satiren von Kurt Tucholsky über den »Gröfaz« A. H. Da war Satire noch Literatur, und es ging nicht nur um »den Kopf, sondern auch um den Hals« (Zitat aus »Die Kluge« von Carl Orff)! Übrigens: Gröfaz ist die satirische Abkürzung von »Größter Feldherr aller Zeiten«.

Kulturlethargie? Ein Lob der Kunst!

In diese »verkorkste« Mediendemokratie hinein fragen wir nun deprimiert nach musikalischen Berufsfeldern und ob traditionelles Musizieren noch Zukunft habe. Ja, meine verehrten Leserinnen und Leser, es ist noch sinnvoll, Musik zu machen oder zu studieren. Dies sage ich aus voller Überzeugung, da es nichts Schöneres gibt als lebendiges Musizieren und in die beglückende Tiefe des hörenden menschlichen Geistes einzudringen. Und das dürfen uns auch keine prekariatsversessenen Leute vermiesen, denen es nur um Massenware und ums liebe Geld geht.

  • 18.05.2016
  • Schwerpunktthema
  • Stefan Fritzen
  • Ausgabe: 6/2016
  • Seite 20-23

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