Schwerpunktthema: Ausgedruckt - Blockflötenbau zwischen Innovation und Tradition

Bei kaum einem anderen Instru­ment muss man sich derart zwischen Tradition und Innovation hin und her bewegen, wie bei der Blockflöte. Der Firma Mollenhauer in Fulda gelingt das recht gut.

Ist die Blockflöte, so fragte kürzlich gar die Süddeutsche Zeitung in ihrem »Streiflicht«, »nicht inzwischen so etwas wie die FDP unter den Instrumenten? Lange war sie unentbehrlich und jetzt pfeifen alle darauf.« Wobei dem Verfasser dieser Zeilen allerdings die Doppeldeutigkeit entgangen zu sein scheint. Denn wenn alle im Wortsinn »darauf pfeifen«, geht das Instrument ja mitnichten »ganz offensichtlich zum Teufel«. Doch auch schon die Begrüßung verdeutlicht die Problematik, mit denen Blockflötenhersteller zu kämpfen haben: »Na, auch blockflötengeschädigt?«, fragt Mollenhauer-Geschäftsführer Stefan Kömpel lachend beim Vor-Ort-Termin im hessischen Fulda.

Lustig ist das natürlich nicht immer, denn die Blockflöte scheint aus den Klassenzimmern immer mehr zu verschwinden. Wo das Instrument früher erste musikalische Schritte ermöglichte – und zugegebenermaßen sicherlich auch die ein oder andere künstlerische Karriere schon im Keim erstickte –, herrscht heute gähnende Lehrplanleere. Das Phänomen, ja Paradoxe an der Blockflöte ist, dass jeder sie kennt, dass fast jeder schon mal hineingeblasen hat und dass sie trotzdem irgendwie ein Nischeninstrument geblieben ist. Wobei die Nische eher noch einer Ecke gleicht, in die die Blockflöte gedrängt wird. Es herrscht die Meinung vor, die Blockflöte sei eher Spielzeug denn Instrument.

Die Kenner auf der anderen Seite verorten die Blockflöte nicht unbedingt nur ins Kinderzimmer, sondern auch und vor allem in die Alte Musik. Namhafte Interpreten wie die Professorin Dorothee Oberlinger, der junge Stephan Temmingh und natürlich der unnachahmliche Frans Brüggen haben das Instrument musikalisch auf eine höhere Ebene gehievt. Beide »Extreme« haben dabei selbstverständlich ihre Berechtigung. Natürlich sollen Musiker mit den Flöten Alte Musik machen. Natürlich sollen Kinder als Einstiegsinstrument die Blockflöte wählen. Und doch ist genau der Mittelweg, der Weg zu einer modernen Auslegung der Blockflöte der, den die Firma Mollenhauer gehen möchte.

Dass dabei warmen Worten auch Taten folgen müssen, wissen Geschäftsführer Kömpel und Chefentwickler Nik Tarasov natürlich. Und so kämpft das Unternehmen geradezu gegen dieses Image an. In der Produktion gehen Tradition und Innovation Hand in Hand. Denn »so schlicht sich das äußere Erscheinungsbild einer Blockflöte darstellt, so wichtig sind doch die versteckten Details, auf die es ankommt und die der Flötenbauer in genauester Arbeit aufeinander abstimmen muss«, erklärt Firmenchef Bernhard Mollenhauer.

Der digitale Fortschritt macht auch vor dem Blockflötenbauer nicht halt. Während bis vor wenigen Jahren aufwendige barocke Formen nur von Hand gedrechselt werden konnten, wird diese Arbeit inzwischen von computergesteuerten Drehautomaten (sogenannten CNC-Maschinen) übernommen. Diese können jede gewünschte Form in höchster Präzision und in einem Minimum an Zeit fertigen. Das bedeutet natürlich nicht, dass damit etwa Arbeitsplätze eingespart werden könnten – doch sicherlich hat sich auch das Berufsbild des Flötenbauers geändert. Denn neben den traditionellen handwerklichen Fertigkeiten gehört nun eben der Umgang mit modernen Maschinen und mit EDV heute selbstverständlich dazu.

Das PDF enthält alle sieben Artikel des Schwerpunktthemas "Das Instrument - Spiegel der Seele":

  • 18.03.2015
  • Schwerpunktthema
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 4/2015
  • Seite 42-43

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